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  • Schönes und Unschönes

    Gestern, auf dem Weg zur Arbeit. Voller Regenbogen, an den Seiten mit schwachem Doppel weiter aussen.
    (Dumme Baustelle im Weg..)

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    Auch schön: Mein Arbeitsweg, letztes Drittel. (Nicht mehr lang. Seufz.)

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    Unschön: In die Fingerkuppe gehackt heut morgen. 3 Stiche genäht worden. Betäubung hält noch an... Fingeransatz blau, weil er 2x spritzen musste..

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  • Von "geliehenen" Schokoladentafeln

    Mein Schokoladenvorrat ist nicht mehr in Sicherheit.
    Die Entwicklung kam schleichend. Anfangs war es vielleicht einmal im Monat. Dann einmal in der Woche. Mittlerweile sind wir bei zwei bis dreimal in der Woche angelangt. Was meine Mitbewohnerin aber gestern gebracht hat, war der sprichwörtlich-ausgelutschte Tropfen, der das Fass zum Übergelaufen gebracht hat.

    Worums geht?
    Um meine Schokoladendose.

    Meine Schokoladendose, wohl eher Schokoladentupperware, befindet sich seit einem Jahr in meinem Kühlschrank und beherbergt alle meine Schokoladig-süssen Sachen, die ich halt lieber kühl mag. Manchmal findet sich darin nichts, manchmal ein Riegel, manchmal ein paar Mon Cheris, aber sehr oft auch ein, zwei ganze oder angebrochene Schokoladentafeln.
    Meine Mitbewohnerin kauft nun aber nie Schokolade für sich. Stattdessen nimmt sie ganze Tafeln von mir (oder bricht sich Stücke ab), "leiht" sie sozusagen von mir aus, und sagt mir dann Bescheid. Manchmal merke ich es auch nur, weil sie mir ein paar Tage später wieder eine neu gekaufte Tafel reinlegt.

    In der Vergangenheit war es meistens genau die Tafel, die sie von mir "geliehen" hatte. In den letzten zwei Monaten war es aber zunehmend nachlässiger. Statt Bio-Fairtrade-Schokolade kaufte sie mir konventionelle, die 1-2 Franken billiger ist. Statt solche mit Orangenstückchen kauft sie mir normale dunkle Schokolade vom Aldi, die ich nicht mag. Obwohl ich ihr das schon mehrmals sagte. Oder sie kauft mir eine mit Vanille-Bourbon-Aroma, statt derjenigen mit Orangenstücken, die sie mir weggegessen hat. (Das ist insofern wichtig, dass ich nur selten Lust auf die Vanille-Schokolade habe, auf die mit Orangen aber meistens immer.) In den letzten zwei Monaten wurde es auch immer mehr. Wo sie früher noch einmal im Monat eine "geliehen" hatte, ist es jetzt 2-3 Mal die Woche. In den letzten zwei Monten war es gar manchmal so, dass sie mir eine Schokolade "lieh", eine nachkaufte, nur um die nachgekaufte noch am selben oder am nächsten Tag wieder zu "leihen".

    Gestern, beim Einkaufen, entdeckte ich in meinem Supermarkt eine Weihnachtseditionsschokolade, von der ich gleich zwei Stück gekauft habe. Man weiss ja nie, wie lang solche Editionen im Supermarkt bleiben, meistens ist es ja, bis der Vorrat raus ist.

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    Dunkle Schokolade mit Orangen- und Cranberrystückchen.
    Dass es eine Weihnachtsedition ist, schliesse ich daraus, dass der Preis hinten auf der Rückseite aufgedruckt ist. Bei den regulären Suprême-Schokoladen ist der Preis nämlich am Regal angeschrieben. Ausserdem haben die regulären Sorten keine aufgedruckten Schneeflocken.

    Item. (Wie meine Grossmutter zu sagen pflegt).

    Ich kam gestern Nachmittag nach Hause vom Einkaufen, hab alles verstaut, inkl. Schokoladentafeln, habe gegessen und bin dann wieder gegangen, weil ich am Abend CAS-Kurs hatte. Als ich gegen 21.30 wiederkam, hat mir meine Mitbewohnerin im Vorbeigehen gesagt, sie hätte mir eine Schokolade "geklaut" (so nennt sie es selber), ob ich ihr sagen könne, wo ich die gekauft habe.

    Irgendwie war das dann für mich. Ich habe ihr gesagt, wo ich sie gekauft hatte, dass es eine Weihnachtsedition war. Und dann hab ich sie gefragt, ob sie das nicht langsam etwas übertrieben fände. Ob sie sich nicht selber mal einen Schokoladenvorrat besorgen wolle. Schliesslich esse sie mittlerweile jede Woche 2-3 Tafeln von mir weg. Ich fände das langsam etwas seltsam. Ob sie sich nicht mal überlegen wolle, wie wir das in Zukunft lösen.
    Sie wand sich dann herum und sagte, wenn sie Schokolade kaufen würde, würde sie immer alles auf einmal essen.
    Mein Gedanke war nur: "Ja toll, und so muss ich ständig DEINEN Nachschub kaufen gehen?"

    Die Sache nagte auch noch heute morgen an mir, und schliesslich habe ich beschlossen, Konsequenzen zu ziehen.
    Meine Schokoladenbox lagert seit heute, 9.00 Uhr, nicht mehr im Kühlschrank, sondern hier:
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    Ja, das ist mein Fenstersims. Bei geschlossenen Fensterläden. (Diesen Flügel habe ich eh immerzu, sonst - neugierige Nachbarn.) Da es sowieso in die Kalte Jahreszeit geht, macht das auch nichts, wenn die nicht im Kühlschrank ist - sie ist auch draussen im Fenster kalt.)

    Sie kann nicht mit Schokolade umgehen, die sie selber kauft? Gut, ist für mich ein guter Grund, dass sie keine kauft. Ich kenne diese Masslosigkeit noch von mir selber. Es ist für mich aber kein Grund, mir alle Schokolade wegzuessen. Und vor allem kein Grund, mir Weihnachtsschokolade wegzuessen, die ich noch nicht einmal SELBER probiert habe. Die eine Limited Edition ist. (Im Gegensatz zu anderen Ländern heisst Limited Edition in der Schweiz dann auch wirklich, dass sie nach einem Monat oder zwei ausverkauft ist.)
    Die Konsequenz heisst für mich also, ich entziehe ihr den Schokoladenvorrat räumlich. Ich musste schon letztes Jahr Lindt-Lindorkugeln verstecken aus Angst, sie isst mir alle weg. Es ist nur konsequent, ich tue das auch mit dieser Schokolade. Es kotzt mich zwar eigentlich an, aber mit ihr reden kann man nicht, nicht wenn es diese Dinge anbelangt. Sie hatte in ihrer Vergangenheit lange mit Magersucht und Bulimie zu kämpfen, und auch heute gibts noch Phasen, wo sie sich als "viel zu dick" bezeichnet, obwohl sie Grösse XS trägt und ein dünner Stock ist. Sie kämpft mit ihren 35 Jahren auch noch an anderen Fronten, gegen psychische und Suchtprobleme.
    Ich kann nicht mit ihr reden - ich werde ihr aber die Möglichkeit entziehen, sich selbst zu bescheissen. Wenn sie künftig Schokolade haben will, muss sie die entweder selber kaufen oder einfach darauf verzichten. Im Endeffekt ist das ja nichts anderes als ein Zeichen von Sucht. Sie kann auch nie nur ein paar Gramm essen wie ich, sondern immer gleich die ganze 100g-Tafel, und wenn es eine 200g-Tafel wäre, vermutlich auch 200g.
    Sie kriegt ihren Suchtstoff nun nicht mehr, weil er einfach herumliegt. Einerseits nehme ich ihr somit die Möglichkeit, sich an Impulskontrolle zu üben. Da sie aber in den letzten Monaten und vor allem den letzten zwei Monaten keinerlei Anstalten gemacht hat, sich in dieser Impulskontrolle zu üben, habe ich da kein schlechtes Gewissen, indem ich ihr einfach den Suchtstoff nehme.

    Und im Endeffekt nehme ich mir einen Grund weg, mich ständig über sie zu ärgern. Ich mag sie ja. Wir kommen gut miteinander aus, schon seit 3,5 Jahren. Aber ich habe gemerkt, dass es mich zunehmend ärgert, wenn sie mir ständig Schokolade wegisst und dann nicht mehr korrekt oder gar nicht ersetzt. So ist das für mich auch eine Möglichkeit, dass ich mich nicht über sie ärgere und mich fruste. Ich möchte das Verhältnis zu ihr ja nicht unnötig belasten.

    Und jetzt geh ich Linsen kochen. Heute gibts vegane Linsenfrikadellen (oder "Linsentätschli" wie wir sie hier nennen), und Rosenkohl-Kartoffelpüree (-Kartoffelstock!).

    Cheers,
    Rose

  • Reflexionen über das Essen und die Nahrungsaufnahme

    Anmerkung: In den letzten Tagen habe ich ein Buch wieder einmal durchgelesen, dass ich öfters durchlesen sollte. Es handelt sich um Genenen Roths Ratgeber "Essen als Ersatz – wie man den Teufelskreis durchbricht". Das hier sind meine Notizen. Geschrieben wurden sie letzten Mittwoch (16. Oktober) und gestern (21. Oktober). Sie sind ohne roten Faden, orientieren sich lose am Buch. Manche Übungen führe ich gleich durch, viele aber auch nicht. Manches kann ich unterschrieben, manches nicht, aber ich merke, dass es mir gut tut, mir Gedanken zu machen.

    16. Oktober – Notizen

    Roth schlägt diverse Übungen vor, den Hunger in sich zu erspüren und zu achten. Ich habe schon gemerkt, dass dieses Buch an solche Frauen gerichtet sind, die in den letzten Jahren exzessiv Diät gehalten haben und keine Ahnung mehr von ihrem Hunger haben.
    Bei Weight Watchers wird viel Wert darauf gelegt, auf den Hunger zu hören, und vor allem eher auf das Gefühl des Sattseins. Ich kenne meinen Hunger – was mich natürlich nicht davor bewahrt hat, in den letzten 6 Monaten diverse Essanfälle zu haben. Essanfälle haben ja selten etwas mit physischem Hunger zu tun, sondern mit emotionalem Hunger. So hiess Roths erstes Buch denn auch "Feeding the hungry heart" - Das hungrige Herz füttern. Ich finde diesen Titel wirklich gut gewählt. Irgendwann möchte ich auch dieses Buch einmal durchlesen.

    Nichtsdestotrotz möchte ich die eine Übung von Seite 17 machen.
    - Wo in deinem Körper erfährst du den Hunger? Im Hals? In der Brust? In den Beinen?
    Hunger erfahre ich in meinem Magen. Beginnen tut es meist damit, dass ich ein leicht flaues Gefühl habe. Es steigert sich zu einem Knurren, und dem Gefühl, ein "Loch" in mir zu tragen. Dann weitet es sich aus, und wird wirklich hörbar, vielleicht mit deutlicherem Magenknurren. Wenn ich übermässig hungrig bin, und schon lange nichts mehr hatte, wird mir manchmal schwarz vor Augen, oder mir ist schwindlig, wenn ich sehr lange ausgeschlafen habe, und dann abrupt aufstehe. Übelkeit kann auch vorkommen in diesen Fällen. Das geschieht aber eher selten. Meist wird mein Hunger schon bei Stufe 3-6 auf der Hungerskala gestillt. Manchmal muss ich auch aufstossen, und sofort wird der Hunger etwas weniger Das geschieht, wenn ich nur wenig hungrig bin.

    - Wie unterscheidet sich diese Empfindung von anderen, zum Beispiel von Aufregung? Oder Alleinsein?
    Ich kenne meinen Hunger gut. Es fühlt sich ganz anders an als andere körperliche Empfindungen von emotionalen Zuständen. Wenn ich mich einsam fühle, dann habe ich manchmal auch ein flaues Gefühl im Magen, aber nicht diese Idee, ein "Loch" in mir zu tragen. Auch muss ich dann eher Tränen unterdrücken und leer schlucken, was mir beim Hunger nicht bekannt vorkommt. Aufregung manifestiert sich darin, dass das nervöse Gefühl etwas weiter oben in meinem Oberkörper sitzt, im Rippenbogen. Es wandert dann von dort auch gern tiefer in den Magen, aber sehr oft auch eher höher in den Hals, wo ich das Gefühl habe, einen Knoten in der Kehle zu haben. Nervosität und Aufregung lässt sich durch gezieltes Atmen etwas beruhigen, Hunger nicht.
    Interessanterweise fühle ich jetzt in diesem Moment, wo ich etwas hungrig bin (3) plötzlich einen Hauch Nervosität, und kann diese Eindrücke gleich verwerten.

    - Was passiert, wenn du fühlst, dass du hungrig wirst?
    Idealerweise trinke ich erst zwei, drei Schlucke Wasser. Das genügt nämlich meistens, um herauszufinden, wie gross der Hunger ist. Meistens gebe ich den ersten kleinen Impulsen nicht nach, sondern warte, bis ich wirklich richtig hungrig bin (Stufe 4-5 auf einer Skala bis 10). Kleine Hungerepisoden stille ich auch gern mit einem Stück Frust, zurzeit sind es gerade Williamsbirnen, die ich gerne esse, weil sie samtig-saftig-süss sind. Der Impuls, den Hunger sofort zu stillen, kann ich aber nicht leugnen. Ich habe auch Respekt vor dem Hunger, den ich manchmal verspüre. Hunger ist eine unangenehme körperliche Empfindung, meiner Meinung nach. Sie nagt auch an der Konzentration, die ich zurzeit gerade brauche für mein Studium.
    Insofern beantwortet das auch die Frage "Hast du das Gefühl, sofort essen zu müssen?" zur Genüge.

    Interessant ist auch das Kapitel über Achtloses Essen (Kapitel 3). Ich erkenne mich in einigen Dingen wieder. Der Gedanke, in der Öffentlichkeit nicht essen zu dürfen, hat mich lange begleitet. Auch habe ich oft vor Freunden und Partnern nicht wirklich soviel oder das gegessen, was ich sonst gegessen hätte, wenn ich alleine gewesen wäre. Allerdings war es mir dann auf meinem Höchstgewicht irgendwann egal. Ich dachte, ich bin eh schon extrem dick, dann kümmert es auch niemanden mehr. So schlecht diese Gedanken damals waren, so gut sind sie jetzt. Denn ich habe sie zu dem Gedanken gewandelt: "Ich ernähre mich gesund, ich darf das essen, was ich möchte, und ich darf auch Schokolade vor anderen essen, weil es niemanden etwas angeht, was und wie viel ich esse."
    Ich merke nur noch, wenn ich einen Essanfall habe, dass ich dieses achtlose Essen praktiziere. Ich stopfe Dinge in mich hinein, möglichst versteckt, im Stehen, ich versuche zu vermeiden, dass mich die Kamera an der Tankstelle aufnimmt, die sowieso nicht den Kassenbereich sondern die Kundenzone aufnimmt. Ich drehe den Rücken zur Tür. Man merkt schon, es passiert sehr oft, wenn ich auf der Tankstelle bin. Aber auch, wenn ich unterwegs bin. Ich denke dann immer: "Nimm das Zeug nach Hause, geniesse es, wenn du es schon essen willst." Das wäre wohl ein Vorschlag Roths. Aber ich sabotiere mich, indem ich bereits während dem Gehen anfange zu essen. Und ich kann schnell essen. Ich kann sehr gut in mich hineinstopfen, schlingen, herunterwürgen.
    In manchen lichten Momenten in den letzten Wochen, während eines Essanfalls, habe ich bewusst versucht, innezuhalten und zu geniessen, was ich gerade in mich hineingestopft habe. Es funktionierte manchmal, aber meistens nicht. Ich hätte mir vermutlich eingestehen müssen, dass ich die Dinge gar nicht so lecker finde, die ich da in mich hineingestopft habe.

    Interessanterweise habe ich jetzt im Moment gerade das Bedürfnis, zuckrige Donuts in mich hineinzustopfen, oder Weissbrot, jetzt wo ich diese Zeilen schreibe. Zuvor war ich einfach nur ganz normal leicht hungrig und hatte Gelüste nach Birnen. Ich habe also schon eine emotionale Reaktion darauf, dass ich mir nur ansatzweise Gedanken über "Achtloses Essen" mache, und dabei in die Fressanfälle abrutsche. Mein Geist, meine Seele reagiert sofort mit Abschottung, mit Zuschütten. Ich bin mir noch nicht sicher warum. Ist es, weil ich mich schäme, solche Essanfälle gehabt zu haben? Aber das wäre ja unlogisch, dann müsste ich mich sogleich auch wieder schämen, wenn ich aufgrund dieser Zeilen, die ich hier schreibe, gleich losgehen und Donuts kaufen würde. Gefühle sind wirklich etwas kompliziertes.

    Ein weiterer Punkt, der das Achtlose Essen betrifft, aber nicht Essanfälle, ist die Ablenkung, die ich ständig habe. Das ist ja auch etwas, was Weight Watchers schreibt: Lasst euch beim Essen nicht ablenken. Setzt euch hin, konzentriert euch aufs Essen, und macht nichts nebenbei.
    Heute Mittag habe ich es mal versucht, ich habe mich nicht besonders anders gefühlt. Ich esse ja fast alle meine Mahlzeiten vor dem PC, konsumiere Nachrichten, Youtube-Videos oder lese in einem Buch. Heute Mittag bin ich mal in die Mensa, ohne mein Netbook mitzunehmen. Ich habe mich nicht besonders anders gefühlt, habe aber versucht, auf das Essen zu achten. Aber vielleicht hab ich mich auch zu sehr ablenken lassen von den Leuten um mich herum, oder von Gedanken, die ich hatte.
    Was ich aber in Zukunft vermehrt einhalten möchte: Nicht während dem Gehen essen. Das ist bei mir ein Inbegriff dessen, was ich heimlich tue. Stopfen, stopfen, nicht geniessen. Im Gehen wird künftig nur noch in zeitlichen Notfällen gegessen. Meistens erfordert es meine Menüplanung ja sowieso, dass ich mich hinsetze, etwas aufwärme und dann im Sitzen esse. Dank meiner veganen Küche gibt's selten etwas, was ich im Stehen essen kann. Diese "Nicht im Gehen Essen"-Regelung ist in diesem Falle ein Mechanismus, um einen drohenden Fressanfall zu überwinden. Denk ich zumindest.

    16. Oktober – Notizen II, fünf Stunden später

    Interessant finde ich auch ihre Gedanken zum Heimlichen Essen, um es vor anderen zu verbergen, und den Personen gleichzeitig etwas heimzuzahlen. Sie schildert das Beispiel eines ehemaligen Partners, vor dem sie nie richtig gegessen hatte, aber dann heimlich Handvoll Frühstücksflocken oder ähnliches in sich hineinstopfte, wenn er im Bad war, oder auf Reisen oder so. Später schreibt sie (S. 53f.), dass sie es vor allem tat, weil der Mann sich ihres Gewichts bewusst war, und weil sie nicht wusste,m was sie mit ihrer Zeit anfangen sollte.
    Ich erkenne dieses Muster an mir wieder. Es fing bereits damit an, dass ich mein Taschengeld immer für Süssigkeiten ausgab, und diese dann in der Heimlichkeit meines Hochbetts alle auf einmal aufass. Für 5 Franken Süssigkeiten, das ist eine grosse Menge, gerade als Grundstufenkind. Ich erinnere mich daran, spätere Taschengelder, ab dem Gymnasium, in die nächsten Supermärkte getragen zu haben, um Handfesteres zu kaufen. Salami, Wurst, Fleisch, Brötchen, Käse, die ich dann heimlich verdrückte. sehr oft, bevor ich abends zu meiner Oma gegangen bin, die im selben Ort wohnte, um bei ihr zu übernachten und zu essen. Und bei meiner Oma gabs immer gutes Essen, reichhaltiges Essen, und sogar Saft, was es bei meiner Mutter nie gab.
    Ich frage mich noch heute, warum ich das tat.
    Ich hatte das Gefühl, ich müsse heimlich essen.
    Das ist schon ziemlich verzwickt, wenn ich darüber nachdenke.
    Weitergeführt hat sich dies dann auch bei meiner ersten richtigen Beziehung. In den drei Jahren mit ihm habe ich – gezwungenermassen – doch auch sehr oft vor ihm und mit ihm gegessen. War ja auch nötig, bei einer Fernbeziehung kann man solche Dinge selten voreinander verbergen. Woran ich mich aber erinnere, ist, manchmal heimlich an den Kühlschrank der Familie gegangen zu sein, und Wurstscheiben oder Schokolade genascht zu haben, ohne dass er es gemerkt hat. Oder zumindest nicht merken sollte. Wenn ich mich zurückerinnere, höre ich sehr oft noch seine Stimme in meinem Kopf, dass es schön wäre, wenn ich noch ein bisschen schlanker wäre.
    Irgendwie möchte ich ihn nicht schlecht machen, aber ich merke zunehmend, dass er eine ähnliche Stimme eingenommen hat, über drei Jahre hinweg, wie mein Vater damals auch. Und eigentlich alle in meinem Umfeld.
    Ich frage mich wirklich, warum so viele Leute ständig Angst hatten, ich könne zu dick werden? Ich war nie extrem dick als Kind. Ich hatte vielleicht 3-5kg zu viel auf den Rippen, aber niemals soviel, dass man hätte Angst haben müssen. Wirklich adipös wurde ich erst, als ich anfing, aus Frust zu essen. Wann habe ich dieses Verhaltensmuster gelernt, frage ich mich? War es, weil mir mein Vater schon früh das Gefühl gab, man müsse auf das Gewicht achten, weil er mich schon früh ständig auf die Waage stellte? War es, weil ich meinen Opa bei seinen Essorgien beobachtet habe? Weil alle in meiner Familie gern essen? Wenn ich es doch wüsste.. Es würde vermutlich auch nicht viel ändern.

    Ich merke, dass ich gewisse Dinge heutzutage anders anpacke. Ich geniesse es, mich zum gemeinsamen Essen in der Mensa zu verabreden, mit anderen zu essen. Ich geniesse es auch, mein Essen anderen anzubieten., Ich geniesse es, für andere zu kochen und mit ihnen zu essen. Das ist schon einmal eine gesündere Einstellung, die ich nun habe. Ich rede auch freimütig darüber, dass ich Fressanfälle hatte. Und auch habe.
    Ich habe dem Philosophen bereits zweimal davon erzählt, dass ich meines Erachtens zuviel gegessen habe, und das falsche. Angedeutet, dass ich Fressanfälle hatte, seit wir uns kennen. Ich glaube, es ist gut, wenn ich von Anfang an reinen Tisch mache. Ich möchte ihn nicht belügen. Ihn belügen würde heissen, mich zu belügen. Genau, wie wenn ich eine meiner Freundinnen belügen würde.
    Ich möchte essen können ohne Wertung.

    Ein Leitsatz macht mir Bauchweh. "Iss ohne Ablenkung durch Radio, Fernsehen, Zeitungen, Bücher oder laute Musik". Ich schrieb weiter oben schon einmal, dass mir dies nicht behagt. Auch heute wollte ich es. Die ersten drei Bissen meines fantastischen Risottos habe ich am Wohnzimmertisch zu mir genommen, aber dann konnte ich irgendwann nicht mehr. Vielleicht, weil es die zweite Mahlzeit des Tages war ohne Ablenkung. Vielleicht fällt es mir aber auch schwer, alleine am Esstisch zu sitzen und nur für mich ganz allein zu essen. Mit anderen zusammen fällt mir das weniger schwer, dann brauche ich keine Ablenkung. Dann würde es mich sogar stören, wenn nebenbei der Fernseher oder das Radio laufen würde, wenn nebenbei gelesen wird. Aber vielleicht sind Leute ja auch schon eine Ablenkung an sich.

    Ich nähere mich dem fünften Kapitel. Essanfälle. Aber ich werde es morgen anschauen. Es wird schwer werden, ich weiss das.

    21. Oktober – Notizen III

    Kapitel Essanfälle. Ich habe mich drum gedrückt. Vermutlich, weil es mehr über mich offenbaren wird, als ich will. Weil meine Notizen mehr über mich offenbaren werden, als ich es will.

    "Essanfälle sind die Stimme des Überlebens. Sie sind ein Zeichen dafür, dass irgend etwas ziemlich falsch läuft, dass du dir selbst nicht gibst, was du brauchst – weder physisch (Nahrung) noch emotional (Nähe, Arbeit, Beziehungen). Sie sind dein letzter Widerstand gegen die völlige Vernachlässigung." (S. 76)

    Ich habe Essanfälle immer als etwas Selbstbestrafendes gesehen. Als eine Ersatzhandlung für meine selbstverletzenden Tendenzen. Verletzen tue ich mich seit 2008 nicht mehr. Aber Fressen war immer mehr ein Ersatz – und in dem Moment, als ich aufhörte, mich zu verletzen, fing ich an, in Massen zu fressen, die ich so nicht gekannt hatte früher.
    Roth nennt Essanfälle aber nun quasi Warnsignale. Dieser Gedanke ist mir nicht fremd, aber ich möchte mich irgendwie weigern, ihn zu akzeptieren. Das würde bedeuten, dass die Intention hinter den Essanfällen etwas gutes war. Dass mein Unterbewusstes mich darauf hinweisen wollte, dass etwas mit mir nicht stimmt. Aber gleichzeitig betäubt es ja die schlechten, negativen Gefühle auch, die Einsamkeit, den Frust.
    Auch ist für Roth ein Essanfall ein Zeichen, dass man Zeit für sich braucht. Zeit des Nichtstun, zeit des Innehaltens, Zeit des Vergessens. Weil man sich diese Zeit nicht gönne, esse man. Als Ersatz. Denn beim Essen ist man ja beschäftigt. Auch das ist eine interessante Theorie.
    Ich überlege mir gerade, wann ich mir wirklich nur Zeit für mich nehme. Nicht in Ersatzhandlungen schwelge. Nicht die neuste Serie gucke, ein Buch lese, am Computer spiele. Selten, denke ich.
    Zeit mit mir selber verbringen macht mich nervös.
    Aber ist das wirklich die Wahrheit? Macht es mich nervös, oder ist das einfach eine reflexartige Ausrede, die ich immer wieder vorbringe, weil ich es gar nicht anders gewöhnt bin?
    Ich finde es auch sehr gut, was sie über die Haltung sagt. Essanfälle sind nicht durch die Quantität (die Menge) des Gegessenen gekennzeichnet. Essanfälle zeichnen sich durch eine qualitative Haltung auf. Auch zwei Kekse können schon ein Essanfall sein, wenn sie in der Geisteshaltung verschlungen werden, die für oben genanntes spricht. Wenn sie Warnsignal sind, ein Zeichen, dass man sich selbst vernachlässigt.
    Essanfälle sind nichts Genussvolles! Es besteht ein Unterschied darin, ob man sich zu einem Dreigangmenü in einem Restaurant hinsetzt, und die tägliche Kalorienmenge ums dreifache überzieht, oder wenn man dasselbe macht, in dem man sich heimlich Sandwiches, Chips und Schokolade in sich hineinstopft. Es ist schwer, jemandem, der dies nicht kennt, das begreiflich zu machen. Es fühlt sich selten gut an, dieses Fressen. Man weiss im Nachhinein – und meistens auch schon währenddessen – kaum mehr, wie sich die einzelnen Nahrungsmittel anfühlen, wie sie schmecken, wie sie in der Nase riechen. Es ist alles hastig, sehr oft kaue ich gar nicht mehr richtig, so dass mir Brocken in der Kehle steckenbleiben, und ich leer schlucken muss, damit sie endlich die Speiseröhre herunterrutschen. Es muss eine innerliche Leere gefüllt werden, komme was wolle, es wird gestopft, bis nichts mehr heruntermag.
    Ein Dreigang-Menü im Restaurant geniesse ich. Wer also denkt, dass ich mir mit meinen Essanfällen etwas Genussvolles gönne, könnte nicht falscher liegen. Es ist kein Genuss. Es ist Qual, es ist Ausdruck inneres Leids, Sehnsucht, Einsamkeit, Frust, Selbsthass. Es ist alles andere als Genuss.

    - Führe in einer anderen Liste all deine Meinungen über Essanfälle auf und die Handlungen, die aus diesen Meinungen resultieren. (80)
    Wenig Selbstdisziplin
    Umso mehr Selbstdisziplin die darauffolgenden Tage
    Selbsthass"Jetzt ist es eh egal""Ich habe versagt."
    Gedanke, dass die Kleider drücken
    Keine Selbstkontrolle
    Nichts, worauf man stolz sein könnte.
    Etwas verbotenes. Etwas, was man heimlich machen muss

    "Manchmal haben wir einen Essanfall, nicht weil wir Schokolade wollen, sondern weil wir sie uns nicht erlauben." (81)

    Ab Seite 82 hat Roth Tipps dafür, was man tun könnte, wenn man sich direkt in einem Essanfall befindet. Ich werde die Tipps niederschreiben und in meinem Portmonee, auf meinem Ipod und an einer Stelle in meinem Zimmer aufbewahren, gut erreichbar, zugänglich. Vielleicht spreche ich die Tipps auch als MP3-Datei und lade sie in meinen Ipod.
    Wichtig ist es, aufzutauchen. Etwas, dass ich auch ohne Roth schon versucht habe. Innehalten, das Essen, was man gerade am Schlingen war, versuchen zu geniessen. Die Konsistenz befühlen, in den Fingern, im Mund. Der Geschmack geniessen, versuchen, einzelne Bestandteile zu erfassen. Versuchen zu merken, wie es sich anfühlt, wenn das Nahrungsmittel die Kehle hinunterrutscht, im Magen ankommt. Auf meinen Magen lauschen, wie er sich anfühlt, mit dem Essen in mir drin. Innehalten, sich hinsetzen, nachdenken, während man isst. Bewusst werden. Achtsamkeit – immer wieder stolpere ich über dieses Wort, selbst hier, in einer schriftlichen Notiz über Essanfälle, Essen und Emotionen. Interessant.
    Beim nächsten Essanfall will ich die Übungen auf Seite 84 und 85 machen. Ich muss es versuchen. Nett zu mir zu sein. Freundlich. Mir verzeihen. Reflektieren, warum es nötig war.

    Viele Tipps im sechsten Kapitel, in dem es um die Familie geht, um Familienanlässe und die Angst, dort dick zu sein, betroffen mich nicht mehr. Ich habe soviel abgenommen, dass eh alle auf mich stolz sind. Aber auch das zeigt doch, dass mich die Familienmitglieder, die mich mochten, als ich noch dick war, genauso jetzt auch mögen, als ich dünn war. Und der eine Onkel, der seit meiner Firmung sauer auf mich ist, weil ich dieser katholischen Prozedur nicht genügend Achtung geschenkt habe, ist es auch jetzt noch. Sauer auf mich. 12 Jahre nachher. Das lässt sich nicht ändern. Niemals. Egal ob ich 145 oder 85 kg wiege.

    Warum auch Dicksein gut ist (Übung):

    Dicksein ermöglicht mir: essen, wann immer ich will, bequeme Kleidung tragen, mich nicht schminken, schmuddelig aussehen (es kommt ja eh nicht mehr drauf an), Schönheit, Aussehen usw. in den Hintergrund stellen, mich dem widmen, was ich will, mich zurückziehen, verkriechen, stundenlang Bücher lesen, soziale Kontakte meiden, Einsiedlerkrebs spielen

    Schlanksein bedeutet, ich kann nicht: anziehen, was ich will, ich muss schön aussehen, einfach Kontakte abbrechen, die ich nicht mehr will, essen, was ich möchte, faul sein.

    Ich warte darauf, schlank zu sein, um..
    mich im Spiegel anzusehen, und mich zu mögen
    mich wirklich wohlzufühlen im Sportunterricht

    Eines muss ich sagen – Geneen Roth schreibt, die Liste wäre endlos länger bei den meisten Frauen. Da ich aber bereits soviel abgenommen habe, ist die Liste bei mir gar nicht so lang. Ich erlaube mir vieles, was ich mir früher nicht erlaubt habe. Und das, obwohl ich noch längst nicht die Figur habe, die andere als schlank bezeichnen würden. Ja, andere würden mit meinem jetzigen Gewicht sogar am verzweifeln sein. Aber ich fühle mich besser als früher. Viel besser.
    Ich ändere die Liste in die Vergangenheit ab.

    - Ich habe darauf gewartet, schlanker zu sein, um: Schöne Klamotten zu tragen, mir schöne Klamotten zu gönnen, Röcke und Kleider zu tragen, ebenso Strumpfhosen, ins Pilates, Yoga und Krafttraining zu gehen, ohne mich seltsam zu fühlen, und mich dafür zu hassen, nicht alle Übungen ganz machen zu können, essen, wann und wo ich will, ohne Schuldgefühle, egal ob Früchte oder Sandwiches oder Schokolade, auszugehen, für Leute zu kochen, über mein Gewicht sprechen, mich mit Männern verabreden, jemanden so nahe an mich heranzulassen, dass ich mit ihm schlafen konnte, und es hat sich gut angefühlt.

    Ich fühle mich noch nicht ganz so wohl manchmal, aber ich tue die Dinge trotzdem, und lerne, mit dem Gefühl umzugehen.

    - Schreibe dir selber einen Brief: "Liebe .., ich liebe dich, weil .." Sei ehrlich.
    Liebes Ich, ich liebe dich, weil du kreativ bist. Weil du nachdenken kannst, weil du intelligent bist. Weil du so viele tolle Gedanken hast, so wissbegierig bist, und dieses Wissen auch nit vielen Leuten teilen willst. Ich liebe dich, weil du dich in etwas vertiefen kannst, so tief darin versinken kannst, dass es sich anfühlt, als wäre die Zeit langsamer vergangen, und du dich fragst, wo die Zeit geblieben ist, wenn du wieder auftauchst. Ich liebe dich, weil du zu starken Emotionen fähig bist. Weil du weinen kannst, wenn du einen Film siehst, der emotional ist, oder ein Lied hörst. Ich liebe dich, weil du traurig sein kannst, weil du wehmütig, einsam und sehnsüchtig sein kannst. Ich liebe dich, weil du gerne schreibst. Ich liebe dich, weil du eine spitze Zunge hast, und mit Worten jonglieren kannst. Ich liebe dich, weil du dich schnell in dinge hineinarbeitest, so dass du nach kurzer Zeit sehr viel Wissen angehäuft hast, oder wenigstens so tun kannst, als ob. Ich liebe dich aber auch, weil du auch zugeben kannst, dass du gewisse Dinge nicht weisst.
    Liebes Ich, ich liebe dich, weil du, wenn dich etwas packt, du sehr willensstark sein kannst. Weil du mit Begeisterung kochst. Weil du deine Liebe zum Essen mit Weight Watchers und dem Veganismus wiederentdeckt hast. Weil du gerne Neues ausprobierst. Weil du sehr anspruchslos bist, wenn du glücklich bist. Ich liebe dich dafür, dass du andere so gern bekochst. Ich liebe dich, dass du erwachsen geworden bist in den letzten fast drei Jahren. Und dabei doch nicht das kindliche verloren hast. Ich liebe dich, dass du fähig bist zu starken Gefühlen. Dass du dich verlieben konntest. Dass du dich drauf einlassen konntest, ohne dich zu stark zu verstellen. Dass du dich traust, ehrlich zu sein, zu dir und zu ihm.
    Ich liebe dich, weil du deinen Weg suchst. Du hast ihn noch nicht wirklich gefunden, aber du bist stetig auf der Suche. Und du wirst den Weg finden, weil du nicht die ausgetretene Strasse benutzt, sondern deine eigenen Pfade, verschlungen, über Steine, brachliegend manchmal, über hohe Brücken, die fast drohen, abzureissen. Aber du suchst dir deinen Weg, seit fast drei Jahren. Ich liebe dich dafür, dass du aufgewacht bist. Dass du es dir endlich erlaubst, glücklicher zu sein. Dass du dir selber endlich erlaubst, dich selbst wertzuschätzen.
    Ich liebe dich, weil du es wert bist. Weil du ein schöner und toller Mensch bist. Ich liebe dich, weil ich dich liebe. Weil du ich bist und ich du.


    Ein ganz losgelöster Gedanke durchzuckt mich heute noch, als ich diese Notizen einstelle: Ich spreche immer von Fressanfällen. Roth allerdings von Essanfällen. Ich habe das schon gestern gemerkt, aber erst heute erkenne ich, wa sder Unterschied ist. "Fress"anfall ist eine Wertung. Ein Urteil. Und schon in dieser Wertung drinne steckt der Keim für einen weiteren Essanfall.

    Ich nenne meine Essanfälle nie wieder Fressanfälle. Denn der Himmel ist blau.

    That's it for today.

  • Fundstück des Tages

    (aus: "s'Neuscht us dr Rhybrugg" - Verkaufskatalog des Warenhauses Rheinbrücke in Basel, November 1943. Archivbestand H+I C511, Schweizerisches Wirtschaftsarchiv.
    Rechtschreibung im Original)

    Fräulein Rita empfiehlt:
    10 Wege führen zur Anmut

    Wir Frauen sind keine Puppen, heute schon gar nicht. Aber wir wollen doch alle gut aussehen, wir wollen anmutig sein und uns von unserer besten Seite zeigen. Schliesslich verlangen wir von unseren Ehegatten oder von unserem Zukünftigen auch, dass er sich rasiert, die Krawatte am rechten Ort trägt und uns nicht nur von seinen Geschäftsbeziehungen zur Firma X Ypsilon Söhne SA. oder vom letzten Jassabend erzählt: Wir wollen also alle charmant sein, und dazu führen uns die folgenden 10 Wege schnell, sicher und leicht:

    1. Seien wir freundlich!
    Auch wenn wir eine üble Laune haben, brauchen wir sie nicht an andern auszulassen. Was gehen andere unsere Sorgen an – helfen sie uns vielleicht? Ein freundliches Wort, auch wenn's schwer fällt im Moment, erspart uns den Ruf einer Kratzbürste. Charmante Kratzbürsten aber gibt's nicht.

    2. Seien wir natürlich
    Geziert dürfen heute nicht einmal mehr Filmschauspielerinnen sein. Man kommt ja so leicht dahinter, dass wir hinter unserer Affektiertheit nur ein schlechtes Gewissen oder unsere Unsicherheit verbergen möchten.

    3. Legen wir auf unser Aeusseres Wert!
    Keine Frau ist so vollkommen, dass sie ohne Puder und Brauenstift, Lippenrouge und Nagelpolish auskommen könnte. Jede Frau hat das Recht und die Pflicht, sich die kleinen Hilfen der Kosmetik dienstbar zu machen. Aber man schlage die Winke der meist sehr fachkundigen Beraterinnen, die in grossen Geschäften der Kundin zur Verfügung stehen, nicht in den Wind! Nirgends rächt sich ein kleines Zuviel mehr als hier.

    Individuell
    das sind die Schönheitsmittel von Bea Kasser. Für Junge und Aeltere, für Frauen mit fetter oder trockener Gesichtshaut, für unreinen Teint, Falten und Runzeln oder für schwach durchblutete Gewebe – für jeden Typ hat Bea Kasser das richtige Präparat geschaffen! Ein einziger Versuch genügt und auch Sie sind überzeugt – Bea Kasser's Schönheitsmittel sind keine Charlanterie – sie basieren auf wirklichem Wissen um die Funktionen der Gewebe! Gerne beraten wir Sie in der Spezialabteilung in der Rheinbrücke

    4. Entdecken wir unseren eigenen Typ!
    Es gibt nichts Lächerliches als, etwas vortäuschen zu wollen, was man nicht ist. Das aber, was man wirklich ist, soll man vorteilhaft hervorheben. Der Backfisch, der nicht 'grosse Dame' spielt, sondern natürlich ist, wirkt ebenso charmant wie die Grossmama, die die Grossmama und nicht junges Mädchen sein will.

    5. Entdecken wir unsere eigene Figur!
    Nicht jede Frau ist eine mediceische Venus – aber zu jeder Figur gibt es Kleider und eine Frisur, die sie harmonisch ergänzen. Und in der Harmonie liegt bekantlich die Schönheit.

    6. Vergessen wir nicht zu fragen!
    Nicht jedes Kleid, das wir gerne tragen würden, steht uns. Wenn wir das nicht selber beim Kaufen sehen, so sieht's die Verkäuferin - und Verkäuferinnen sind meistens sehr gute und scharfe Kritiker. Warum sollten wir sie nicht um Rat fragen?

    7. Achten wir auf unsere Haltung!
    Unser Körper ist der Spiegel der Seele, und in einem nachlässigen Körper wird niemand ein aufrechtes Wesen vermuten. Zur Anmut gehört auch ein bisschen Gymnastik – drei Minuten, morgens und abends, ganz einfache Uebungen, und wir werden sehen, wie das Wunder wirkt!

    8. Bilden wir uns!
    Unwissenheit ist schrecklich, Vielwisserei noch mehr. Es gibt aber ein gesundes Mittelmass, welches erlaubt, mit jedem Menschen, sei er was er wolle, angeregt zu plaudern. Heute stehen uns ja so viele Bildungsmöglichkeiten offen.

    9. Lernen wir zuhören!
    Es gibt genug andere, die immer und überall nur von sich selber sprechen – jeder Mensch hält sich irgendwie für das Wichtigste auf Erden. Stören wir ihn nicht dabei, hören wir ihm interessiert zu, und er wird uns für äusserst angenehm halten.

    10. Und als Wichtigstes:
    seien wir zu jederman so, wie wir wünschen, dass man zu uns ist.

    Es ist schon interessant, so etwas zu lesen. Wie alte und neue Gedanken hier offenbar ein wildes Gemisch erzeugen. Man merkt schon, dass es einerseits darum geht, dem "Manne" und der "Gesellschaft" zu gefallen, aber offenbar soll die moderne Frau von 1943  (mitten im Krieg) sich dennoch bilden, sich auch pflegen, mit vielen Mittelchen und schönen, typgerechten Kleidern (wozu die meisten Frauen zu dieser Zeit wohl kein Geld hatten, weder für das eine noch das andere.)
    Auf jeden Fall fand ich es ein schönes Fundstück, und habe es deswegen abgetippt.
    Interessant natürlich auch die Werbestrategien, ein Kaufhaus hat natürlich Interesse daran, der Frau zu erklären, die Verkäuferinnen (die eigenen!) kennen sich gut aus und man solle auf sie hören. Ebenso natürlich die schön in der Mitte platzierte Werbung für die Pflegemittelchen der Bea Kasser (mit einem sehr schönen Deppenapostroph mittendrin. Allgemein bin ich über die Häufigkeit von Rechtschreibfehlern im Text ziemlich erstaunt.)

  • Sometimes it's too much

    Ich starre seit einer Stunde auf ein leeres Worddokument hier auf meinem Netbook.Nur der Titel steht. Stand schon vor zwei Stunden in meinem Kopf. Geistert seit ein paar Tagen durch meine Gedanken.

    Manchmal ist es zuviel.
    Ich frage mich seit Tagen, ob es gerade zuviel ist. Zuviel der Emotionen, schlechte und gute, alles durcheinander.
    Aber wenn ich nach einer Antwort suche, fühle ich nichts. Seit Tagen nicht. Ich bin seltsam losgelöst von allem und das macht mir Bedenken. Es ist nie gut, wenn ich mich so fühle.
    Ich merke nur, dass ich nicht ganz mit der Situation klarkomme, weil ich seit Tagen nicht mehr vernünftig esse. Und auch wenn es niemals an die Massstäbe von früher rankommt, wo ich wahrlich gefressen habe – im Moment weiss ich nicht, wann ich 'satt' bin.

    Ich will nicht vom Essen reden. Essen ist was schönes. Die letzten zwei Tage gingen besser. Ich hab viel Gemüse gekauft und mir gesunde Sachen gekocht. Gestern Reis mit Mangoldgemüse, abends Nudeln mit Spitzkohl-Sojaschnetzelsosse. Heute werde ich wohl eine Lasagne machen. Oder Risotto.
    Jetzt rede ich schon wieder vom Essen.

    Ablenkung. Ich sitze seit 14 Uhr im Starbucks, aber das einzige, was ich tun kann, ist auf ein leeres Worddoc zu starren, oder irgendeinen dummen Roman zu lesen, den ich hier als PDF herumfliegen habe.

    Es fühlt sich gerade wirklich nach zuviel an. Wenn es wenigstens nur negative Dinge wären. Mit einem zuviel an negativen Dingen komme ich wunderbar klar. Aber wenn negative Dinge einem um die Ohren geklatscht werden, wenn man sich eigentlich gut fühlt, wenn man schöne Gefühle in sich hat, dann ist das der emotionale Overkill.
    Negative Gefühle allein kann ich wirklich gut verkraften..
    Ein Vater, der mal wieder beweist, wie egal ich ihm bin? Ach, Kleinigkeit. Ist ja langsam Routine.
    Die Kündigung des Teilzeitjobs, die ich seit längerem erwartet habe, und die dann montags tatsächlich eingetroffen ist? Etwas härter, aber es geht auch.
    Dachte ich.
    Aber irgendwie nagt es an mir. Ich fühle es, weil ich nichts fühle. Ich weiss, dass es so ist, weil ich nichts fühle. Weil es mir egal ist. Ich kann nicht sagen, es sei mir 'seltsamerweise' egal. Weil ich es nicht seltsam finde. Es ist nur nicht gut.

    Der Ausdruck davon ist auch, dass ich nicht schreiben kann. Nicht schreiben konnte. Ich wollte schreiben, die ganze Woche. Ich wollte mich auskotzen, ich wollte sagen, wie traurig ich bin.
    Aber ich konnte nicht. Und dass ich auch heute schon wieder nah dran war, aufzustehen, zu gehen, und mir zuhause irgendwie wieder andere Gedanken zu machen, zeigt mir, wie sehr es mich berührt. Weil es mich nicht berührt.
    Jetzt wo ich schreibe, steigen mir Tränen in die Augen. Wie am Samstag, als ich diese beknackte Email gelesen habe. Tränen, die ich heute ebenso wegdrücke wie am Samstag. Sie gehören nicht hierher. Sie gehörten nicht in diesen Tag.

    Es kommt einfach zuviel zusammen. Ich möchte nicht, dass soviel negatives die schönen Gefühle betäubt, die ich habe. Das einzige, was im Moment in mir drin offen wütet, ist Sehnsucht.

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich im Moment mag. Diese ganzen alten Verhaltensmuster, die in mir drin stecken, als wären sie angeborener Reflex. Selbst die Gedanken, sich selber nicht zu mögen, gehören dazu.

    Je mehr ich schreibe, desto verwirrter lesen sich meine Sätze. Es ist zuviel der Gedanken, die seit Tagen in mir gären.

    Warum kann es nicht einfach einmal ruhig und friedlich sein in mir drin? Warum werde ich nie verschont? Warum ist es immer irgendwas, über das ich mir den Kopf zerbrechen darf?
    Ich höre mich an wie ein weinerliches Opfer. Ich will kein Opfer sein. Ich habe doch dafür gekämpft, die letzten Jahre. Ich hab soviel erreicht, und doch habe ich in meinem unendlichen Perfektionismus das Gefühl, nichts erreicht zu haben.
    Warum funktionieren meine Gedanken so? Warum habe ich solche Ansprüche an mich selber, warum tue ich mir das selber an? Wie und wann bin ich so geworden? Das kann doch nicht sein.
    Wenn das so weitergeht, fühle ich mich nie gut.
    Ich will gar nicht von Glück reden. Glück ist nichts, was man haben kann, Glück ist ein Zustand. Manchmal fühle ich mich glücklich, aber ich möchte dieses Gefühl auch mal ohne schlechtes Gewissen geniessen können.
    Ohne, dass ich mir die folgenden Tage darauf Gründe gebe, mich nicht zu mögen. Gründe, wie zum Beispiel schlecht essen, nicht an die Uni zu gehen, nichts für mich zu tun. Es ist eine Selbstsabotage, und das Traurige daran ist, ich begreife es, aber kann nichts dagegen tun.

    Wenn ich die Fäden entwirre, ergibt sich ein seltsames Bild: Ich weiss, ich müsste traurig und unglücklich sein, weil mir zwei schwere Schläge zugefügt wurden. Ich benutze dies, um mich selbst zu sabotieren, aber ohne mich tatsächlich so zu fühlen, wie es eigentlich gut wäre. Und dann kann ich in Selbsthass schwelgen, weil ich diese Verhaltensweisen zeige, ohne einen richtigen 'Grund' zu haben, den ich ja eigentlich haben dürfte, aber den ich nicht habe, nämlich die schlechten Gefühle.

    Statt einfach mal zu weinen und alles rauszulassen.
    Aber das erlaube ich mir ja nicht.

    I'm so fucked up.

  • Was in den nächsten 2 Jahren ansteht..

    Schriftliche Arbeiten (Uni)
    - Seminararbeit 1: Thema gesucht, Bücher gesucht, Forschungskonzept in der Erarbeitung
    - Seminararbeit 2: Thema gesucht, Bücher/Quellen gesucht, Forschungskonzept in der Erarbeitung
    - Seminararbeit 3: Thema eventuell gefunden, Prof anfragen - mögliche Verknüpfung mit Diplomarbeit
    - Masterarbeit: ?

    Schriftliche Arbeiten PH/CAS Berufspädagogik
    - Diplomarbeit Sek II: Thema eventuell verknüpft mit Seminararbeit 3 (Zeitraum: HS14)
    - Semesterarbeit CAS: Info steht aus
    - PP: Portfolio/Gruppenarbeit - Info steht aus*
    - Geschichtsdidaktik: Zeitstrahl (Info steht aus)*

    Praktika SekII-Lehrgang
    - Eignungspraktikum
    - Berufspraktikum
    - Prüfungspraktikum

    Master (Uni)
    - Masterprüfung (HS14 od. FS15)
    - 2 Social Credit Points*

    *= kleinere Aufgaben

  • Es wird nie besser

    „Das hasse ich am meisten“, sage ich zu dir am Bahnsteig. „Das Verabschieden.“
    „Du bist es dir ja gewohnt“, antwortest du.
    „Das macht keinen Unterschied. Es wird nie besser“, erwidere ich. „Nie.“

    Als ich in den alten, wackligen IRE steige, und mich auf einen Klappsessel setze, schaue ich nicht noch einmal nach draussen. Mein Blick richtet sich auf den Boden, Schwarze Kreise auf schwarzem Plastikboden. Ein Punkt, etwas mehr beleuchtet von einer schlechten Lampe, zieht in der nächsten halben Stunde immer wieder meinen Blick auf sich. Sowieso schaue ich in diesem Moment niemanden in der Bahn an.
    Stromaes harte Basslinien knallen in viel zu laut in mein Gehirn, aber irgendwie will ich mich grad mit Musik betäuben. Ich bin nicht traurig, aber ich spüre deine Bartstoppeln noch auf meinen Lippen, vom letzten der Abschiedsküsse. Ich bin nicht traurig, ich fühle mich wohl. Und doch beschleicht mich eine gewisse Melancholie, die durch das monotone Schaukeln des Regionalzugs noch verstärkt wird.
    Es wird nie besser, dieses ewige Verabschieden. Und auch wenn wir es beide noch nicht Beziehung nennen, Anziehung ist es auf jeden Fall. Und Anziehung bedeutet Melancholie und bedeutet Verabschieden, wenn die Anziehung räumlich getrennt werden muss.
    Für mich ist das alles auch noch ein Versuch. Ich fühle mich, wie ich es dir sagte, noch nicht lange 'erwachsen'. Beziehungen waren für mich bisher anders. Die einzige wirkliche die ich hatte, war anders. Sehr anders. Anders aufgebaut, fusste auf anderen Dingen. Das hier ist ein Versuch, und doch fühlt es sich bereits soviel besser an.

    Es ist mir einerlei, wie wir es nennen, solange diesem Wochenende ein nächstes folgt. Und auch diesem wiederum ein nächstes. Und auch wenn du sagst, wir lernen uns noch kennen, ist für mich klar, dass es dir wohl ähnlich gehen muss wie mir. Ein Wochenende wird dem nächsten folgen. Schliesslich hast du mir noch viel zu erzählen, viel zu zeigen und du möchtest viel von meinem Leben sehen.

    Ich habe mich wohlgefühlt – und dir das auch gesagt. Es war nicht gelogen. Ich bin ehrlich. Ich war das ganze Wochenende über ehrlich – so ehrlich, wie ich mich selber kaum kenn'. Mein Eindruck von Montag täuscht nicht – es ist nicht nötig, mich zu verstecken, mich zu zensieren, Dinge für mich zu behalten. Ich kann sprechen, ich kann reden, und du hörst mir zu. Klingt klischeehaft, aber: Du nimmst mich, wie ich bin.

    Der Schmerz ist nicht so schlimm, wie ich erwartet habe.
    Vielleicht, weil wir uns nächstes Wochenende wiedersehen. Vielleicht, weil ich erwachsen(er) bin? Vielleicht, weil mich das Zugfahren beruhigt. Vielleicht, weil es doch nicht so eine Weltreise ist. Nach zwei Stunden war ich wieder zuhause. Es ist ein Weg, der zu bewältigen ist.
    Und doch verbietet er eine gewisse Spontanität. Ist mit Kosten verbunden.
    Das ewige Pendeln für Gefühle.

    Wie verliebt muss ich wirken, wenn ich diese Zeilen tippe? Bin ich verliebt? Ich weiss es nicht. Ich weiss nicht mehr richtig, wie sich Verliebtheit anfühlt.
    Ist es Nervosität, die sich aufbaut, bevor man den anderen wieder in seinen Armen spüren kann?
    Ist es einfach dieses Gefühl, sich wohlzufühlen, sich akzeptiert und verstanden zu fühlen?

    Es ist mir einerlei, ob ich verliebt bin oder noch nicht. Kategorisierungen mag ich sowieso nicht.
    Gestern Abend verbot ich mir das Denken. Stattdessen hatte ich die ganze Reise dein Lächeln noch im Kopf. Auch jetzt schwirrst du mir in den Gedanken herum. Es ist nicht diese brennende Sehnsucht, es ist eher ein dumpfes Gefühl, dir gerne nah sein zu wollen, die mich gerade beherrscht.
    Weil ich mich wohlfühle.

  • Ein Tag im Regen

    Ein Satz bleibt mir so präsent haften. „Irgendwann kann ich meinen Enkeln dann erzählen, wie wir an unserem ersten Date durch den Regen spaziert sind.“
    Und vielleicht blieb er doch nicht so präsent, erinnere ich mich doch nur noch an diese zwei Worte des „ersten Dates“. Kleinmädchen-Rose hüpft innerlich doof herum. Es ist ein Date, ogottogott!
    Kleinmädchen-Rose hüpft aber auch herum, weil du ganz spontan, eine halbe Stunde bevor dein Zug fuhr, im Starbucks die Sprache darauf gebracht hast, wann wir uns wiedersehen.
    Die Wolken haben ihre nasse Fracht über Zürich geleert, als wäre die Sinnflut über uns gekommen, ich habe an meinem zweiten Tee des Tages genippt habe, während mein Blick auf deinen Händen haften blieb, die so ausdrucksvoll gestikulieren können.
    Und in diesem Moment fühlte es sich gut an, zu sagen, dass ich nächsten Sonntag frei habe.

    Wir haben uns gemeinsam geärgert, als die Sonne sich um 18.32 durch die Wolkendecke gekämpft hat, und es danach aussah, als würde der Abend wenigstens ein bisschen regenlos. Um 18.40 fuhr dein Zug. Murphy, der Arsch..
    Aber wir haben soviel zusammen gelacht. Ich hab das ernst gemeint, als ich sagte, meine Muskeln im Gesicht tun weh. Ich habe noch niemals mit jemandem soviel auf einmal geredet. Sechs Stunden, fast ununterbrochen. Ich kann mich nur an eine einzige Schweigepause erinnern, die etwa 20 Sekunden anhielt. Es gab soviel zu reden, soviel auszutauschen. Soviel zu philosophieren.
    Ich habe sehr gern mit dir geredet. Es war eine Fortsetzung dessen, was im Skype begann. Ein Mann, der sich nicht zu schade ist, mehrsätzige Absätze zu schreiben, der mich tatsächlich fordert, der mich dazu nötigt, mein Gehirn anzuschalten,weil ich mit den Standardantworten nicht weiterkomme. Weil es dich interessiert,was ich sage, genau wie es mich interessiert, was du sagst. Der sich mitten im Satz von mir unterbrechen lässt, und dann mit einem Schmunzeln einfach zuhört, was ich unbedingt zu sagen habe. Weil ich so enthusiastisch bin. Ich weiss wirklich nicht mehr, wie lange es her ist.

    Ich weiss nicht, ob du mich ebenso sehr berühren wolltest,wie ich es wollte. Du kamst mir nah, aber nie so nahe, dass es unangenehm gewesen wäre. Du hast keine Anstalten gemacht, meine Hand zu nehmen. Es ging nur um uns. Darum, uns kennenzulernen.
    Es hat gestimmt.

    Es war wirklich schön mit dir gestern. Und das Ausstehen der Nervosität, die meinen Magen fast umgedreht hätte, bevor ich dich dann tatsächlich am Gleis 18 getroffen habe, hat sich auch gelohnt.
    Die innere Stimme, die mir einflüsterte, was ich hier eigentlich für einen Mist mache, zum Schweigen zu bringen, ebenso. Es hat sich gelohnt. Es war schön. Und mir war schon nach einer halben Stunde klar, dass das nicht das letzte Mal gewesen sein würde, dass wir uns sehen.

    Sechs Stunden – und es hat sich angefühlt, als wären zwei Stunden vergangen.
    Gespürt habe ich es am Abend, als ich um 22 Uhr todmüde ins Bett sank. Obwohl im Restaurant und in zwei Starbucks, waren wir sicher zwei Stunden zu Fuss unterwegs. An der Zürcher Bahnhofstrasse entlang schlendern, und über Weltanschauungen zu diskutieren, hat etwas erstaunlich beruhigendes.

    Zu sagen, dass ich nächste Woche zu dir reise, war eine logische Konsequenz. Ich hab mich selten so wohl gefühlt wie mit dir.
    Und der Fakt, dass ich seit zwei Tagen nicht richtig essen kann, es jetzt 15 Uhr ist, und ich noch kein Mittagessen hatte, spricht nicht nur dafür, dass ich mich wohlfühle, sondern auch dafür, dass ich dabei bin, mich zu verlieben.
    Und das alles hast du mit Worten, mit Schreiben und deiner Stimme, deinem Lachen angestellt.

    Ich bin hin und weg.

  • Was ist denn hier los?

    Uraltbeiträge erscheinen auf der Startseite? Neue Einträge, die eigentlich auf öffentlich gestellt sind, sind plötzlich für Nichtangemeldete privat?

    Ich hab diese IT-Umstellung langsam satt.. Ehrlich.

  • Druck und Versöhnung

    Ich versuche mich, mit mir selbst zu versöhnen - aber gerade fällt es mir ziemlich schwer, zu akzeptieren, wer und wie ich bin. Ich kenne meine Mechanismen doch, ich kenne mein Wesen, und doch habe ich zugelassen, dass es wieder überhand nimmt.
    Ich dachte, ich hätte die MEchanismen durchbrochen, als ich so fleissig meine Seminararbeiten und meine Bachelorarbeit gemacht habe, von Februar 2011 an.
    Und doch sitze ich seit Januar mit einem fast fertigen Thema und einer Fragestellung im Kopf da, habe aber ausser Büchersuche noch nichts gemacht.
    Es gab immer Ausreden - Unlust und Frust im Januar, Dozent, der sich nicht meldet und beginnendes Semester im Februar, erste Referate im März, mehr Referate im April, Prüfung im Mai. Und jetzt haben wir den sechsten Juni.
    Ich könnte kotzen. Warum funktioniere ich denn nur unter Druck von aussen?

    Grad ist es auch so, dass ich nicht mal das tue. Ich müsste bis morgen ein Essay abgeben (oder bis übermorgen), ich habe einen Tagungsbericht zu schreiben, von einer Tagung, die Ende April stattfand. Ich müsst emeine Steuererklärung machen, seit 2 Monaten, die Deadline läuft irgendwann mitte Monat.

    Ich glaube, diese ganze Finanzsache hat mich echt stärker blockiert, als ich es zuzugeben bereit war. Und es ärgert mich. Es ärgert mich unglaublich, dass mein Vater soviel Macht über mich hat. Ich bin 25 geworden vor 10 Tagen - ein Vierteljahrhundert - und fühle mich mehr Kind denn je.

    Diese ganze Scheisse hat sich auch geäussert, dass ich nach Pfingsten erst einmal eine Woche lang krank war, dass ich sowohl Kochbuchchallenge als auch WEight Watchers allgemein vernachlässigt habe. Aber Krankheiten bringen mich eh immer durcheinander.

    Was mich am allermeisten wurmt, war das Erlebnis am Dienstag. Ich habe es vor lauter Blockade nicht geschafft, an den Sternen über Dalaran weiterzuschreiben. Obwohl alles stimmte. Ich hatte mir längst schon ABsolution gegeben, an diesem Tag nichts für die Uni zu machen, war eh' schon im Starbucks, hatte Tee.. Es hat nicht geklappt. Stattdessen habe ich zwei Stunden lang altes Rollenspiel auf Animexx nachgelesen, hab fast geheult, bin dann um 15 Uhr nach Hause, um mich ins Rollenspiel in WoW zu vertiefen. Wenigstens ins Pilates bin ich abends gegangen.

    Es wäre einfach zu sagen, das viele Rollenspiel, dass ich seit 3 Wochen auf dem neuen Server habe, würde mich ablenken. Aber eigetnlich war es bisher immer so, dass ich durch tolles Rollenspiel eher motiviert war, Dinge fertig zu machen.
    Es wäre einfach zu sagen, dass die überfüllte Bibliothke in der Universität der Grund ist, warum ich nicht anfangen kann.
    Es wäre sogar so einfach zu sagen, dass mein AD(H)S es mir nicht erlaubt, anzufangen.

    Ausreden gibt es immer genügend.
    Aber die Wahrheit ist, dass ich mir wohl absichtlich eine Aufgabe aufgehalst hab, die ich gerade nicht zu bewältigen weiss (Tagungsbericht), um meine Situation wohl noch zu verschlimmern, und mich absichtlich so richtig schön verabscheuen und hassen zu können. Es ist immer noch das alte Muster der Selbstzerstörung, wenngleich weitaus weniger brutal.

    Und vielleicht will ich auch einfach nicht. Die Überwindung, Seminararbeiten zu schreiben, kostet soviel Kraft - dabei weiss ich eigentlich gar nicht warum. Der Gedanke, nicht zu genügen, der Gedanke, schlechte Arbeiten zu verfassen, der Gedanke, einen Dozenten zu haben, der soviel weiss wie meiner, macht mir Angst.

    Ich muss mich mit mir versöhnen endlich. Ich muss es einfach. Ich muss mit mir besser umgehen. Ich muss mich liebhaben. Ich muss mir auch verzeihen. Ich darf sein, wie ich bin. Ich darf abgelenkt sein, ich darf kreativ sein, ich darf schlechte Tage haben. DIese schlechten Tage spielen für andere Tage keine Rolle mehr in Zukunft.

    Ein Häppchen nach dem anderen.
    Heute nehme ich mir 9 Teilreferate von den 18 Referaten der Tagung vor. Ich habe dafür Zeit bis 17 Uhr.
    Ich schaffe das.

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