szmmctag
Suche blog.de

  • Druck und Versöhnung

    Ich versuche mich, mit mir selbst zu versöhnen - aber gerade fällt es mir ziemlich schwer, zu akzeptieren, wer und wie ich bin. Ich kenne meine Mechanismen doch, ich kenne mein Wesen, und doch habe ich zugelassen, dass es wieder überhand nimmt.
    Ich dachte, ich hätte die MEchanismen durchbrochen, als ich so fleissig meine Seminararbeiten und meine Bachelorarbeit gemacht habe, von Februar 2011 an.
    Und doch sitze ich seit Januar mit einem fast fertigen Thema und einer Fragestellung im Kopf da, habe aber ausser Büchersuche noch nichts gemacht.
    Es gab immer Ausreden - Unlust und Frust im Januar, Dozent, der sich nicht meldet und beginnendes Semester im Februar, erste Referate im März, mehr Referate im April, Prüfung im Mai. Und jetzt haben wir den sechsten Juni.
    Ich könnte kotzen. Warum funktioniere ich denn nur unter Druck von aussen?

    Grad ist es auch so, dass ich nicht mal das tue. Ich müsste bis morgen ein Essay abgeben (oder bis übermorgen), ich habe einen Tagungsbericht zu schreiben, von einer Tagung, die Ende April stattfand. Ich müsst emeine Steuererklärung machen, seit 2 Monaten, die Deadline läuft irgendwann mitte Monat.

    Ich glaube, diese ganze Finanzsache hat mich echt stärker blockiert, als ich es zuzugeben bereit war. Und es ärgert mich. Es ärgert mich unglaublich, dass mein Vater soviel Macht über mich hat. Ich bin 25 geworden vor 10 Tagen - ein Vierteljahrhundert - und fühle mich mehr Kind denn je.

    Diese ganze Scheisse hat sich auch geäussert, dass ich nach Pfingsten erst einmal eine Woche lang krank war, dass ich sowohl Kochbuchchallenge als auch WEight Watchers allgemein vernachlässigt habe. Aber Krankheiten bringen mich eh immer durcheinander.

    Was mich am allermeisten wurmt, war das Erlebnis am Dienstag. Ich habe es vor lauter Blockade nicht geschafft, an den Sternen über Dalaran weiterzuschreiben. Obwohl alles stimmte. Ich hatte mir längst schon ABsolution gegeben, an diesem Tag nichts für die Uni zu machen, war eh' schon im Starbucks, hatte Tee.. Es hat nicht geklappt. Stattdessen habe ich zwei Stunden lang altes Rollenspiel auf Animexx nachgelesen, hab fast geheult, bin dann um 15 Uhr nach Hause, um mich ins Rollenspiel in WoW zu vertiefen. Wenigstens ins Pilates bin ich abends gegangen.

    Es wäre einfach zu sagen, das viele Rollenspiel, dass ich seit 3 Wochen auf dem neuen Server habe, würde mich ablenken. Aber eigetnlich war es bisher immer so, dass ich durch tolles Rollenspiel eher motiviert war, Dinge fertig zu machen.
    Es wäre einfach zu sagen, dass die überfüllte Bibliothke in der Universität der Grund ist, warum ich nicht anfangen kann.
    Es wäre sogar so einfach zu sagen, dass mein AD(H)S es mir nicht erlaubt, anzufangen.

    Ausreden gibt es immer genügend.
    Aber die Wahrheit ist, dass ich mir wohl absichtlich eine Aufgabe aufgehalst hab, die ich gerade nicht zu bewältigen weiss (Tagungsbericht), um meine Situation wohl noch zu verschlimmern, und mich absichtlich so richtig schön verabscheuen und hassen zu können. Es ist immer noch das alte Muster der Selbstzerstörung, wenngleich weitaus weniger brutal.

    Und vielleicht will ich auch einfach nicht. Die Überwindung, Seminararbeiten zu schreiben, kostet soviel Kraft - dabei weiss ich eigentlich gar nicht warum. Der Gedanke, nicht zu genügen, der Gedanke, schlechte Arbeiten zu verfassen, der Gedanke, einen Dozenten zu haben, der soviel weiss wie meiner, macht mir Angst.

    Ich muss mich mit mir versöhnen endlich. Ich muss es einfach. Ich muss mit mir besser umgehen. Ich muss mich liebhaben. Ich muss mir auch verzeihen. Ich darf sein, wie ich bin. Ich darf abgelenkt sein, ich darf kreativ sein, ich darf schlechte Tage haben. DIese schlechten Tage spielen für andere Tage keine Rolle mehr in Zukunft.

    Ein Häppchen nach dem anderen.
    Heute nehme ich mir 9 Teilreferate von den 18 Referaten der Tagung vor. Ich habe dafür Zeit bis 17 Uhr.
    Ich schaffe das.

  • Von Kreativitätslöchern und Kreativitätsschüben - und was Geld mit all dem zu tun hat.

    Vorwort an meine Blog.de-Freunde: Dieser Eintrag ist vor allem für Leser meiner Wow-RP-Geschichte "Sterne über Dalaran" gedacht. Nicht, dass es hier verwirrte Blicke gibt.

    Ich schreibe SüD (liebevolle Abkürzung für Sterne über Dalaran) seit mehr als drei Jahren. Es ist meine zweite Fanfiction - die erste entstand aber eher als Zusammenfassung von tatsächlich im RP ausgespielten Ereignissen und ist somit mehr eine Nacherzählung gewesen als eine Fanfiction. In diesen drei Jahren, in denen ich schon an SüD herumbastle, hat mich eines immer mehr und mehr fasziniert - Wann ich schreiben "kann" und wann nicht.

    Die letzten Monate habe ich mich mit einem permanent schlechten Gewissen herumgequält. Es lag nicht an der Zeit, wie ein lieber Freund mal im Forum schrieb. Wenn ich ehrlich bin - und das möchte ich auch sein - hatte ich Zeit. Ich hätte Zeit gehabt, mehr als im Sommer 2012, als ich ein Praktikum gemacht habe, mehr als im Frühjahr 2012, als ich mich auf meinen Bachelor vorbereitete, aber dennoch Zeit fand, mit dem Schreiben zu prokrastinieren.

    Und doch habe ich nicht geschrieben. Ich habe es vor mir hergeschoben. Es ist etwas, was ich sehr bereue, aber andererseits sehe ich mitterlweile ein, dass es gar nicht anders ging. Es ging gar nicht so ehr darum, dass ich meine Kreativiät verloren hätte - im Gegenteil. W"ie SüD endet, weiss ich eigentlich, seit ich die Geschichte schreibe. Seit Januar 2013 steht das Konzept der letzten Kapitel - ich kann sogar sagen, wieviele Teile es noch werden, nämlich 13 bis 14. Ich weiss genau, wie alles endet, und ich hätte nur noch drauflosschreiben müssen.

    IMG_2693IMG_2692
    IMG_2689IMG_2690
    Notizbuchseiten über SüD - ihr seht, alles ist schon da. Alles ist in meinem Kopf. Selbst ein Alternatives Ende für meinen RP-Char.

    Aber ich bin blockiert gewesen. Eigentlich bin ich es auch immer noch, aber jemanbd hat es geschafft, die Blockade zumindest von einer anderen Seite zu lösen.
    Es ist faszinierend zu sehen, wie ich mich über Emotional aufwühlende Situationen hinweg nicht vom schreiben löse, wie ich Traurigkeit, wut, Einsamkeit, aber auch grosse Freude verarbeiten kann, indem ich schreibe.
    Wenn ich aber um meine Existenz bangen muss, wenn ich nicht weiss, wie ich einen Haufen Rechnungen bezahlen muss, wenn ich mir sogar überlegen muss, ob ich mir den Tee im Starbucks leistenkann, den ich trinke, während ich schreibe - dann funktioniert in meinem Kopf nichts mehr.
    Dann kann ich weder Seminararbeiten schreiben, noch Texte für die Universität lesen, noch mich meinem liebsten Hobby widmen - dem Schreiben. Dann existiere ich nur noch stumpf für mich hin.

    Diesen Zustand habe ich vor allem meinem Vater zu verdanken, der seit mittlerweile einem ganzen Jahr seine Unterhaltsbeiträge für meine Ausbildung und mein Leben unregelmässig, zuwenig oder grad gar nicht bezahlt. Anfangs konnte ich das überbrücken - mittlerweile krieche ich auf dem letzten Nerv. Ich wäre im Januar fast exmatrikuliert worden, weil ich die 810 Franken für meinen Semesterbeitrag nicht auftreiben konnte bis zum zweitletzt möglichen Zahlungstermin. Meine Miete April und Mai sind noch nicht bezahlt, Internet hänge ich auch zurück. Mein Geld reicht zurzeit gerade fürs Essen, und mehr auch nicht.

    Ich bin so unglaublich sauer, aber gleichzeitig tut es mir auch unendlich leid. Ich bin wütend und traurig, dass mein Vater es allein mit finanziellen Mitteln in der Macht hat, sovieles in meinem Leben zu bestimmen. Fehlendes Geld hat eine unglaublich lähmende Wirkung auf die Psyche, auf den Geist und auf das Herz. Und noch schlimmer ist es, wenn das Geld einem eigetnlich zustehen würde. Es macht mich wütrend, dass er mich in meiner Ausbildung blockiert, dass er mein Selstbwertgefühl blockiert, dass er meine Kreativität blockiert.Und ich bin traurig darüber, dass es sich sogar indirekt auf die Leute auswirkt, die mir doich so treu gefolgt sind in den letzten Jahren. Auf euch, liebe Leser.

    Ich möchte nicht zuviel jammern. Ich möchte auch kein Mitleid. Ich möchte höchstens Verständnis und ein "Okay, ich kann nachvollziehen, was du durchmachst".

    Ich bin gerade dabei, mich aus diesen destruktiven Mustern zu befreien. Es ist nicht das erste Mal, aber es wird wohl auch nicht das letze Mal sein, dass ich mich aus diesen lähmenden Einflüssen befreien muss. Es ist traurig, aber es gelingt mir immer besser.

    Und dank einer anderen lieben Leserin habe ich gestern Abend einen unglaublichen Motivationsboost bekommen. Ich habe kein schlechtes Gewissen mehr, dass nur noch umso mehr blockiert. STattdessen bin ich voller Elan an die Aufgabe gesessen, und habe in nur einer Stunde vier Seiten in die Tastatur gehackt. AUf einmal hat mich mein Netbook, die fehlende Maus, der Lärm im starbucks und die begrenzte Zeit nicht mehr gestört, Dinge, die ich noch vor einer Woche als Ausrede benutzte, nicht zu schreiben.

    In diesem Sinne: Auf die letzten 13 Kapitelchen der Sterne über Dalaran! Ich fühle mich geehrt, dass du mir bis heute die Treue gehalten hast. Es geht weiter.

    IMG_2695
    Und es wird nach SüD nicht aufhören - es geht weiter, in einer völlig anderen Welt, alles von mir kreiert. Ich bin ebenso gespannt wie ihr es vielleicht seid.

    Cheers!
    Rose

  • Geschichten aus der Tankstelle (3) - Alltäglicher Rassismus

    Samstag, kurz nach Mittag. Es ist ruhig in der Tankstelle. Zeitungen liegen aus, für die Kaffeetrinker, die hier verweilen. Der "Blick", das Schweizer Pendant zum Boulevardschmierblatt Bild, titelt in Bezug auf die Bostoner Attentate: "Warum habt ihr das getan?" und zeigt Bilder der zwei mutmasslichen Attentäter.

    Ein Kunde kommt. Er ist nicht unbedingt Stammkunde, aber er kommt öfters vorbei. In den letzten zwei Jahren etwas weniger. Er ist schätzungsweise Mitte vierzig, oder auf die fünfzig zugehend – ich weiss es nicht, ich bin schlecht im Schätzen. Kleiner als ich, mit Jeans und Hemd und Jeanshose, dicker Bauch, schüttere Haare, stechender Blick.

    Er bezahlt den Kaffee, lässt ihn selber raus, und schnappt sich einen "Blick" , setzt sich auf einen der hohen Sitz"barhocker" und beginnt zu lesen.
    Ich höre ihn etwas sagen, verstehe es aber nicht recht.
    Ich frage "Wie?" Es kommt oft vor, dass mich Kunden in ein Gespräch verwickeln, wenn nichts los ist.

    Kunde deutet auf den besagten "Blick" und sagt in einem unglaublich gehässigen Tonfall, in breitestem Luzerner Dialekt: "Das isch ebä en Schäiss-Rassä" ((Das ist eben eine Scheissrasse)).

    Ich habe in fünfeinhalb Jahren an der Tankstelle schon einiges erlebt. Man gewöhnt sich irgendwann dran. Dennoch gibt es Situationen, in denen ich schlicht und ergreifend sprachlos bin. So auch in dieser Situation:  Ich drehe mich um und begebe mich weg von ihm, zur anderen Kasse, blicke zu den Kühlern und gebe vor, Sachen auf ihre Haltbarkeit zu testen.

    Entfernt höre ich ihn noch weiter gehässig reden – ich blende es bewusst aus und lasse mich nicht drauf ein. Es hat keinen Sinn, darüber zu diskutieren. Solche Leute sind unbelehrbar.

    Xenophobischen (Fremdenfeindlichen) Tendenzen bin ich schon oft begegnet an dieser Tankstelle. Das allgemeine Klientel liest auch eher den Blick als die Neue Zürcher Zeitung, es sind eher Arbeiter als Intellektuelle.
    Da gibt's zum Beispiel den (mittlerweile glaube ich ehemaligen) Präsidenten der örtlichen Sektion der SVP, der rechten und fremdenfeindlichen Partei der Schweiz, der über "diese Ausländer" wettert, und immer die Bild liest, ohne sie zu bezahlen.
    Da gibt's den Walliser, der seit eineinhalb Jahren hier wohnt, und wenn er besoffen ist, immer unsere ausländischen Café-Gäste beleidigt. Dafür hat er schon mal Hausverbot bekommen.
    Da gibt's die gut situierte Dame, bereits 80 Jahre alt, aber aussehend wie 70, die mir nach einigen netten Gesprächen das Du angeboten hat, und die sich eines morgens aus dem Nichts über angeblich schlecht erzogene Ausländerkinder beschwerte. Man müsse diese "Jugos" (abschätzig für Jugoslawen) alle zurückschicken.
    Dann gibt's auch meine misanthropische Kollegin, die regelmässig über besagte "Jugos" lästert, die morgens unter der Woche allerdings unseren Hauptkundenstamm bilden. Sie behandelt auch unseren schlecht deutsch sprechenden tamilischen Lagerist unglaublich mies.

    Ich habe schon vieles erlebt. Manchem habe ich widersprochen, oft habe ich mich auf eine Diskussion gar nicht eingelassen. Fremdenhass ist selbstverständlich hier in der "Emmenbronx", wie das ausländisch dominierte Dorf Emmenbrücke, in der Peripherie Luzerns, ironischerweise genannt wird.

    Eine solch deutlich rassistische Aussage ist mir allerdings noch nie zuvor vorgekommen.
    Ich bin schockiert. Und traurig.

  • Frau Einsamkeit

    Manchmal, da trifft sie mich unvorhergesehen mit einem Schlag im Nacken. Manchmal, da überfällt sie mich aus dem Hinterhalt. Manchmal, da haut sie ihre Zähne in mich. Wie ein Piranha knabbert sie das Fleisch von meinen Knochen und scheint ohne Umwege in mich einzudringen. Manchmal, da springt sie mich an wie eine Giftschlange aus kniehohem Gras, beisst mich und träufelt ihr Gift in meine Adern. Manchmal, da überfällt sie mich so abrupt, aber dennoch nicht überraschend.

    Es geschieht immer dann, wenn ich es nicht erahne und gleichzeitig doch irgendwie erahne. Ich bilde mir ein, es kommt aus dem Nichts. Wenn sie dann da ist, weiss ich, dass sie sich schon zuvor angekündigt hat. Ich habe ihre harmlosen Klopfzeichen allerdings ignoriert.

    Frau Einsamkeit.

    Warum heisst es eigentlich die Einsamkeit und nicht der Einsamkeit oder das Einsamkeit? Ist dieses Wort feminin, weil es Frauen so viel öfter trifft? Weil es eine weibliche Eigenschaft ist? Die Franzosen nennen sie „La Solitude“, die Italiener „La Solitudine“, die Spanier „La Soledad“ - zumindest die romanischen Sprachen sind sich ziemlich einig über die weibliche Einsamkeit.

    Gestern habe ich einen Besuch von Frau Einsamkeit erhalten. Und auch wenn ich mir noch sehr einreden möchte, dass sie mein Gemüt im Sturm erobert hat, ich weiss, es ist eine Illusion, dies zu glauben. Wie so oft kam sie eher schleichend. Die Assoziation mit dem langsam eingeträufelten Gift liegt näher als mit der im Sturm erobernden Kämpferin. Auch eine weibliche Zuschreibung, dieses Gift.
    Und dennoch fühlt es sich wie Gift an.

    Gestern habe ich eine Folge der (ganz offtopic gesagt supergenialen) TV-Serie „Arrow“ geschaut. Genau mein Genre: Fiktionale Stadt, reicher Playboy, der zum Superheld wird, weil er nach einem Schicksalsschlag (5 Jahre auf einer einsamen Insel gestrandet) an seinen Überzeugungen feilt. Ein bisschen wie Batman, nur dreckiger und weniger pathetisch. Und in dieser einen Folge hat nicht nur der Hauptcharakter, sondern auch sein Bodyguard/Vertrauter ein erstes Date. Das in die Hose geht. Und gen Ende der Folge wird alles gut. Beide bekommen ihren ersten Kuss mit ihrer Angebeteten.

    Und da habe ich gemerkt, dass Frau Einsamkeit sich bereits seit einigen Tagen wieder bei mir eingenistet hat. Sie lag neben mir auf dem Bett und trieb mir die Tränen in die Augen. Genau in diesem Moment, als sich der Hauptcharakter und sein Flirt küssten, da fing ich pathetisch lächerlich an zu heulen. Frau Einsamkeit litt mit mir, denn Frau Einsamkeit ist ebenso einsam. Vielleicht triebt sie das zu den Menschen – sie ist der Inbegriff des Leidens, dass die meisten Menschen in ihrem Leben ab und an besucht. Nur gibt es für sie keine Erlösung. Wäre Frau Einsamkeit nicht mehr einsam, wäre das ganze Gedankenkonzept nicht mehr existent.

    Eine Metapher.

    Ich fühle mich wie Frau Einsamkeit. Egal was ich tue, ich habe seit vielen Monaten das Gefühl, dass ich für den Rest meines Lebens einsam bleiben werde.
    Frau Einsamkeit stimmt mir zu.

    Mein rationaler Verstand setzt schon lange aus. Es ist ein Schutzmechanismus. Wenn ich etwas nicht ändern kann, versuche ich mich mit dem Gedanken anzufreunden. Es gelingt meistens sehr gut. Wenn eine Freundin beispielsweise seit Monaten keine Zeit mehr für mich hat. Wenn mein Vater mir seit Jahren übel mitspielt.

    Ich versuche, mich seit Jahren mit Frau Einsamkeit zu arrangieren. Ich versuche, sie zu akzeptieren, so dass sie bleicher wird. Dass sie zum Hintergrundbild, dann zum Hintergrundrauschen und dann zu einem Hauch von Nichts wird.

    Es gelingt nicht. Frau Einsamkeit schüttelt ihre Fesseln immer wieder ab. Frau Einsamkeit ist in ihrer Einsamkeit nicht einsam. Und deswegen zieht es Frau Einsamkeit zu mir. Sie mag mich. Und doch bin ich mit ihr nicht weniger einsam als ohne sie.
    Es zehrt an mir. Ich kann mir noch so sehr einreden, dass ich stark bin. Dass ich glücklich bin. Dass es mir gut geht.

    Wenn Frau Einsamkeit aus dem Hintergrundbild hervortritt, in dass ich sie die meiste Zeit ausblende, dann erfüllt sie mein Wesen, mein Sichtfeld so umfassend, so klar und grell, dass ich schreien möchte.

    Mir gelingt nicht einmal vernünftiges Weinen. Ich schluchze erstickt, ich beisse in mein Kissen, ich halte mir die Ohren zu. Ich rolle mich zusammen, will weinen und gleichzeitig die Tränen verhindern. Ich will nicht dran denken, dass ich so furchtbar einsam bin, dass ich an manchen Tagen alles dafür tun würde, um nur ein liebes Wort zu erhalten.

    Manchmal, wenn mich jemand aus Versehen oder als nette Geste berührt, am Arm oder an der Schulter, dann durchzuckt mich der Gedanke, dass das meine erste Berührung in fünf, zehn oder fünfzehn Tagen war.

    Frau Einsamkeit wird langsam ein permanenter Begleiter. Meine letzte Beziehung hat Anfang 2010 geendet, eine richtige Beziehung war das allerdings nicht. Ich müsste sagen, ich bin seit drei Jahren Single. Tatsächlich fühle ich mich, als wäre ich seit dem Punkt, wo ich mich von M. getrennt habe, Single. November 2008. David war nur Flucht. Stefan war nur Flucht. Und seither nichts mehr.

    Manchmal wird mir schlecht. Und ich möchte weinen.
    Und ich bilde mir ein, Frau Einsamkeit hält mich fest. Es ist keine tröstliche Umarmung. Denn wir sind zusammen einsam. Ein Manifest meiner Einsamkeit. Eine tröstliche Figur, aber keine tröstende Umarmung.

    Ich fühle mich so unglaublich einsam. Immer, immer wieder. Alle Monate wieder. Es geht immer tiefer. Jedes Mal, wenn ich mich so fühle, bohrt sich der Widerhaken, den Frau Einsamkeit mir ins Herz geschlagen hat, tiefer ins Fleisch, tiefer in den Muskel. Manchmal bilde ich mir ein, die Schmerzen auch tatsächlich zu spüren. Heute Morgen fühlte ich eine Art Leere im Oberbauch und im Magen, die auch nach dem Frühstück und dem Hungerstillen noch anhielt.

    Manchmal frage ich mich, wie lange ich das eigentlich noch aushalte. Diese Fassade, die ich in solchen Momenten zeige. Meistens bin ich fröhlich und glücklich. Aber wenn mich Frau Einsamkeit besucht, wenn sie aus dem Hintergrund hervortritt, fühle ich mich in diese Zeiten zurückversetzt, wo es mir psychisch wirklich unterirdisch ging. Wo ich meine Probleme mit Fresse, suchtartigem Gamen und manchmal auch Gewalt an mir selber nicht gelöst sondern verdrängt habe.

    Manchmal, da fühle ich mich lebendig tot.
    Manchmal schaue ich in den Spiegel. Ich sehe mich und sehe Frau Einsamkeit.
    Manchmal, wenn ich mich zwingen muss zu lächeln, denke ich auch an Frau Einsamkeit.
    Ich bin meine eigene Frau Einsamkeit.

    Ich bin es leid.

    I'm living dead only alive
    When I pretend that I have died
    I haven't lived life, I haven't lived love
    Just a birds eye view from the sky above
    I'm dead I'm living dead

  • Die schiefe Katz' von Rose

    Ich glaube, ich habe mein Unordnungs-Gen an meine Katze übertragen.

    Da liegt sie mir doch einfach quer auf dem neueingerichteten Schlafplatz auf meinem Schreibtisch. Ja mei!

    IMG_2360
    "Was willst DU denn von mir?"..

  • SUB-Abbau März

    So, ein wenig verspätet auch mein SUB-Abbau-Post für März. (Was ist ein SUB? Ein Stapel ungelesener Bücher. Hier ist das Verzeichnis meiner Bücher.)

    In einem Uni-Kurs hatte ich auch gleich die Aufgabe, eine Rezension zu einem Sachbuch zu schreiben. Da auf meiner Liste sowieso ein Buch stand, dass ich schon lange lesen wollte, habe ich beides gleich verknüpft und eine Rezension zu Stephen T. Asmas Abhandlung über Monster und Alpträume geschrieben. Da die Rezension an sich sehr lang ist, verlinke ich sie hier separat, statt sie in diesem Eintrag zu posten.

    Sehr gespannt war ich auf Catherine Tarleys Südstaatenepos "Die Plantage". Es war im März sogar das erste Buch, dass ich beendet habe. Meine Rezension dieses Buches fällt etwas gemischt aus. Das Buch hat nämlich einen starken Anfang, aber nach der Mitte fällt es ganz krass ab. Das habe ich schon lange nicht mehr erlebt bei einem Buch.
    Die Geschichte um Antonia, die ihren Mann verloren hat, und nun versucht, ihre Plantage in den Südstaaten wieder aufzubauen, nachdem das Haupthaus auch noch durch ein Feuer abgebrannt ist, wird sehr gut eingeführt. Der verwundete britische Soldat, der bei ihr eintrifft, ist ein Geschenk des Himmels in zweierlei Hinsicht - er erweist sich als guter Verwalter ihrer Farm, hilft ihr gegen den Widerstand der männlichen Pflanzer in der Umgebung, die sie verachten und sie zum Verkauf bewegen wollen, und wird schliesslich auch noch ihr Lover, nachdem sie lange niemanden an sich ran liess. Die Geschichte wird sehr schön und in einem guten Erzähltempo aufgebaut, nicht zu schnell, nicht zu langsam. Mit dem Mann ihrer Schwester wird zudem ein greifbares Feindbild aufgebaut - der böse Plantagenbesitzer, der eigentlich sie wollte, sich stattdessen mit ihrer Schwester begnügen musste, und sich nun ein wenig an ihr rächen will, bzw. ihr Steine in den Weg legen will, damit sie verkauft statt ihre Pflanzung eigenständig zu bebauen.
    Der einzige Kritikpunkt, den man in der ersten Hälfte des Buches anmerken könnte wäre der der Sklavenfrage, der allerdings fürs ganze Buch gilt: Ich verstehe einfach nicht, warum in JEDEM Südstaatenroman, den ich bisher gelesen habe, die/der ProtagonistIn eine Anti-Sklaverei-Haltung vertreten muss. Ich verstehe schon, dass es dem heutigen Geist völlig abgeht, die Sklaverei in irgendeiner Form zu akzeptieren, ja sogar zu begreifen. Als Geschichtsstudentin weiss ich allerdings, wie notwendig es diese Pflanzer hatten, und wie überzeugt sie davon auch waren. In den Südstaaten im 18. und 19. Jahrhundert war es nichts Seltsames, Sklaven zu halten. Es machte den Menschen auch nicht unbedingt zu einem schlechten Menschen, weswegen ich es einfach nicht verstehe, warum Autoren hier die Realität so verbeugen müssen, und ihre Protagonisten nicht einfach auch zu Sklavenhaltern machen, die einfach ihre Sklaven anständig behandeln. Stattdessen müssen sie immer so liberale Freigeister vor ihrer Zeit sein.
    Wie dem auch sei - daran krankt das Buch nicht. Das Buch krankt daran, dass der Charakter von William ab der Mitte des Buches einfach nur noch unlogisch ist - man versteht seine Intentionen und Absichten überhaupt nicht. Und die Autorin klärt diese seltsamen Handlungen auch überhaupt nicht auf.
    Zudem gibt es ab der Mitte des Buches noch einen neuen zweiten Handlungsstrang um Mr. Reed, dann später sogar einen dritten um seinen Freund Roscoe, von denen anfangs überhaupt noch keine Rede war. Die Story verliert ganz stark daran, dass aus der Liebesgeschichte und der "Starke Frau setzt sich durch" auch noch ein Kriminalfall um mehrere Morde mitsamt einem offenbar psychisch gestörten Nebencharakter werden, der offensichtlich an einer multiplen Persönlichkeit leidet. Während also der Hauptcharakter William irgendwo in London seine ehemalige Verlobte vergewaltigt (??) und Roscoe, der zufällig dort ist und seinen Sklaven entführt (??), gerät Antonia an diesen durchgeknallten Mr. Reed, und stösst sogar noch auf sein Geheimnis, deckt ihn aber, und überhaupt.. Ab da wird die Story ziemlich undurchsichtig. Dass William dann auch noch die Plantage direkt neben Antonia von einem erbt, den er eigentlich gar nicht kennt, und dann ihr Nachbar wird, aber dass die beiden nicht mehr zusammenkommen, weil irgendeine Indianerin ein Orakelspruch gesprochen hat, setzt dem ganzen dann auch noch die Krone auf.
    Ich verstand zum Schluss weder Williams noch Antonias Handlungen. Sie schienen mir all den Charakterzügen zu widersprechen, die die Autorin den beiden Protagonisten in den 800 Seiten vorher zugesprochen hat.
    Schade um das Buch - bis zur Hälfte war es gut, danach überbordet es von unnötigen Handlungen, seltsamen Wendungen, und viel zuvielen Zufällen, die allzu genehm kommen, wie der Deus Ex Machina..

    Sonstige Kurznotizen:

    • Ready Player One: Genialster Sci-Fi/Zukunfts/Gamer-Roman, den ich überhaupt je gelesen habe. Ganz starke Empfehlung. Wow! Vor allem für Gamernerds und 80er-Jahre-Fans.
    • Hyperion-Gesänge: Endlich habe ich mich drangewagt, und es hat sich gelohnt. Wirklich toll. Eine Sci-Fi-Opera der ersten Klasse. Dan Simmons besitzt eine aussergewöhnliche Fantasie.
    • Der März war sowieso irgendwie ein Sci-Fi-Monat. Ich habe mich durch die restlichen Romane von Philip K. Dick gelesen, darunter die Geschichte hinter dem Film Blade Runner: "Do Androids Dream of Electric Sheep?", sowie die Kurzgeschichtensammlung, die den Sammeltitel "Minority Report" trug. Darin war neben der Vorlage für den Film Minority Report auch die Kurzgeschichte "We Can Remember it for You Wholesale", die Inspiration hinter der Filmadaption "Total Recall". Auch wenn ich Schwarzenegger auf den Teufel nicht ausstehen kann, habe ich mir dann beide Total Recall Filme, den von 1990 und die Neuadaption mit Colin Farrell von 2012 angeguckt. Ich habe mir auch Blade Runner von 1982 reingezogen, dieser Film war allerdings nicht ganz mein Fall. In den 80er-Jahren war schon eine ganz andere Filmsprache Usus.
      Philip Dick überrascht mich auf jeden Fall immer wieder - soviele interessante Geschichten. Man könnte sie fast als Gedankenexperimente betrachten, gerade die Kurzgeschichten.
    • Ich muss aufhören, Hörbücher zu kaufen. Ich sabotiere meine Nicht-Kauf-Regel.

    Gelesene Bücher (* bedeutet Aufnahme ins Bücherregal)
    *Cline, Ernest: Ready Player One
    * Dick, Philip K.: Do Androids Dream of Electric Sheep?, Minority Report
    * Isau, Ralph: Die Träume des Jonathan Jabbok (Neschan-Trilogie 1), Das Geheimnis des siebten Richters (Neschan-Trilogie 2), Das Lied der Befreiung Neschans (Neschan-Trilogie 3)
    *Shelley, Mary: Frankenstein
    *Simmons, Dan: Die Hyperion-Gesänge
    Tarley, Catherine: Die Plantage
    *Asma, Stephen T: Monster, Mörder und Mutanten - Eine Geschichte unserer schönsten Alpträume

    Neben diesen gelesenen Büchern fallen zudem zwei weitere Bücher aus dem Sub weg. Es sind Erdzauber 2 und 3 von Patricia McKillip. Ich habe verzweifelt nach dem ersten Teil gesucht, aber es gibt weder ein E-Book davon, noch ist Erdzauber 1 noch erhältlich. Also werde ich diese Bücher nicht lesen.

    Gekaufte Bücher (Auktionen)
    Peinkofer, Michael:
    - Die Zauberer
    - Die Zauberer - Die erste Schlacht
    - Die Zauberer - Das dunkle Feuer

    Gehörte Hörbücher
    Schätzing, Frank: Der Krieg der Zwerge, Die Rache der Zwerge, Das Schicksal der Zwerge (Zwerge 2-4)
    Anonymous: Das Hörbuch ohne Namen, Das Buch ohne Staben, Das Buch ohne Gnaden
    Gablé, Rebecca: Das Lächeln der Fortuna, Das Zweite Königreich

    SUB-Entwicklung: Minus 12, Plus 3
    SUB-Stand 31. April: 68

  • Von der menschlichen Faszination am Monströsen - Buchrezension

    Herakles bekämpft im antiken Griechenland die mehrköpfige Hydra. Beowulf legt sich mit dem Monster Grendel an. Die Kirche sieht sich im Mittelalter von Häretikern und Hexen der übelsten Sorte bedroht. Das Unmenschliche, das Fremdartige, das Missratene – eben das Monster – ruft im Menschen ambivalente Gefühle von Faszination und Abscheu hervor. Grund genug für Stephen T. Asma, sich mit der Geschichte des Monströsen zu befassen.

    Für Asma sind Monster "unsere schönsten Alpträume", denen er sich in seinem Werk "Monster, Mörder und Mutanten – Eine Geschichte unserer schönsten Alpträume" widmet. Asma steckt sich das hohe Ziel, eine umfassende Abhandlung über das Thema zu schreiben, statt sich auf die Monster und Monstervorstellungen einer Epoche zu beschränken. Das Konzept des Monströsen ist ein immer wiederkehrendes Moment in der Geschichte der Menschheit. Gleichzeitig erfuhr es über die Jahrhunderte auch gewisse Bedeutungsverschiebungen und Veränderungen.

    In seiner Abhandlung über das Monströse verzichtet der Autor bewusst auf eine Definition des Begriffes des "Monsters" und dessen genaue Eigenschaften. Jedes Zeitalter sei von anderen Ungeheuern fasziniert, die aber mit allen Mitglieder der Familie der "Monster" einige prototypische Eigenschaften teilen. So seien beispielsweise die Eigenschaften "Hässlichkeit" und "Bosheit" in sehr vielen Monsterbeschreibungen seit der Antike bis in die Gegenwart untrennbar verbunden. Asmas Abhandlung über Monster ist denn auch eher eine breit angelegte kulturhistorische Abhandlung. Sie beginnt mit bekannten und unbekannteren antiken Monstern und endet in der Gegenwart. Der Autor legt dabei fünf Schwerpunkte, drei davon zeitlich und zwei thematisch. Die ersten drei Kapitel befassen sich mit diversen Monstervorstellungen und philosophischen oder theologischen Abhandlungen zu Monstern in der Antike, im Mittelalter und in der Neuzeit bis ins anfangende 20. Jahrhundert.

    Monster in verschiedenen Zeitaltern

    Alexander der Grosse ist ein klassischer antiker Held, der auszieht, um gegen Feinde zu kämpfen. Auf seinen Reisen in weit entfernte Länder begegnet er auch einer Vielzahl von Monstern, die er bekämpft. Antike Berichte sind voll von solchen Monstern. Zyklopen, Greifen und Hydren sind nur einige wenige dieser Sagengestalten, deren Existenz diskutiert und selten angezweifelt wurde. Asma legt nahe, dass viele dieser Monster auf reale, aber verzerrt dargestellte Tiere oder Knochenfunde zurückgeführt werden können. Sein Hauptziel liegt allerdings nicht darauf, jeden einzelnen antiken Monstermythos zu entkräften. Er legt mehr Wert auf die philosophischen Betrachtungen über das Monster.
    Im Mittelalter ergibt sich durch das erstarkte Christentum ein erster bedeutender Wandel für diesen Heldenkult. In seinem Kampf gegen Feinde und Monster wird dem antiken Held Alexander das erste Mal auch von seinen Ratgebern zur Demut geraten. Mitleid mit dem Feind, Demut und Einsicht erheben einen wahren Menschen über das Monster. Es muss nicht mehr unbedingt von einem Helden mit Waffen bekämpft werden, damit dessen Männlichkeit bewiesen ist.
    Im christlichen Mittelalter sind die Monster und Ungeheuer im Gegensatz zur Antike immer mehr auch in der eigenen Gesellschaft zu finden. Das xenophobe Bild vom bösen Juden, aber auch die Vorstellung von Hexen, die mitten in der Gemeinschaft existieren und Schaden anrichten, sind nur zwei Beispiele hierfür.
    Ein Bruch mit den monströsen Gestalten, die seit der Antike tradiert werden, läuten die Wissenschaftler ein, die von der Aufklärung geprägt sind. Zum ersten Mal werden Monstrenbeschreibungen auf ihren Wahrheitsgehalt analysiert – Augenzeugenberichte sind dabei als wahrheitsgemässer einzustufen als schriftlich überlieferte Monster. Die zunehmende Kategorisierung der Natur und ihrer Geschöpfe, das Interesse an fötalen Missbildungen und der Versuch der Systematischen Einordnung leiten die frühen empirischen Wissenschaftler. Ausgestopfte Monstren werden als taxidermische Fälschungen entlarvt. Die zunehmende Entdeckung der Welt entlarvt weitere Irrtümer. Mit Darwins Evolutionstheorie haben Wissenschaftler schliesslich das erste Mal eine Erklärung zur Hand, warum es zu Missbildungen kommen kann.
    Die Diskussion um das Monströse ist damit noch nicht beendet. Sie verlagert sich auf psychologische Aspekte. In Kapitel vier behandelt Asma unter anderem die Einordnung des Monsters durch Sigmund Freud. Denn nachdem das "Monster" aus Reiseberichten, Karten und der Biologie vertrieben worden ist, findet es im Freudschen Unterbewussten seine neue Heimat. In jedem Menschen wohnt also das Monströse.
    In Kapitel fünf stellt Asma schliesslich Fragen zum Monströsen in der heutigen Zeit. Künstliche Intelligenzen, denen es an Empathie mangelt, wecken Assoziationen zu den bösen, emotionslosen Monstren aus alten Zeiten. Geschlechterangleichende Operationen ermöglichen Transgendern ein Wechsel der körperlichen Geschlechts und lassen Hybridwesen entstehen, die die klassische Kategorisierung verunmöglichen. Bereits hält die Gegenwart biotechnologische Verbesserungen bereit, die den Menschen "verbessern", die Zukunft verspricht immer mehr solcher Veränderungen. Daraus mögen Ängste vor dem entmenschlichten, verbesserten, maschinenartigen Menschen entstehen.

    Das gute Monster und der böse Held

    Der Leser stellt verblüfft fest, dass es Asma gelingt, erstaunliche Gemeinsamkeiten in alten und gegenwärtigen Monstervorstellungen zu finden. Ein heldenhafter, guter Beowulf, der das böse Monster Grendel bekämpft, wird im 21. Jahrhundert vielleicht durch einen ebenso heldenhaften Menschen ersetzt, der in einem Videospiel böse Monster bekämpft oder in einem Horrorfilm als einziger gegen eine Vielzahl Monster überlebt. Dieses Erzählmuster hat die Jahrhunderte überdauert. Gleichzeitig gelingt es dem Autor auch, Wandlungen und Verlagerungen im Konzept des "Monsters" über die verschiedenen Epochen hinweg darzustellen. Die neuste filmische Adaption des Beowulfmythos ("Die Legende von Beowulf", 2007) erklärt das Monster Grendel zu einem missverstandenen und verstossenen Wesen, dass nur durch die Ablehnung der Umwelt zu etwas Bösem wird. Dies erinnert an den Stellenwert von Psychologie und Psychopathologie in der heutigen Gesellschaft. Die Diskussion ob ein Mensch von sich aus böse ist oder durch Umwelteinflüsse böse wird, kann auch aus dem Monster Grendel ein missverstandenes ausgestossenes Wesen machen.

    Auf knapp 400 Seiten führt Asma den Leser mit einer Vielzahl von Beispielen und gut dokumentierten Quellen durch die Geschichte des Monströsen und Alptraumhaften. Mit dem Werk hat Asma den heiklen Spagat zwischen Populärliteratur und wissenschaftlicher Arbeit gut gemeistert. Durch den ansprechenden Schreibstil ist das Buch sowohl für faszinierte Laien als auch für wissenschaftliche Leser interessant. Eine Vielzahl von Querverweisen und Quellenangaben in den Fussnoten kann als Zeichen eines gewissen wissenschaftlichen Standards gesehen werden. An manchen Stellen würde sich der wissenschaftliche Leser allerdings eine nähere Ausführung zu Thesen wünschen, die in einem Nebensatz angesprochen, aber nicht ausgeführt werden.

    Stephen T. Asma: Monster, Mörder und Mutanten – Eine Geschichte unserer schönsten Alpträume, Propyläen-Verlag, Berlin 2009, 480 Seiten.

  • Geschichten aus der Tankstelle (II) - Zeitschriften

    Ein junger Mann kommt an die Kasse. Vielleicht 25, 30 Jahre alt, klein, eher gedrungen, kurze Haare.

    Kunde: "Ich hätte da eine Frage."

    Ich: "Ja?"

    Kunde: "Ich habe vor einigen Tagen eine Zeitschrift gekauft.. ääh. Aus dem.. hm.. Pornosegment. Ich habe die Quittung aber nicht, kann ich sie trotzdem zurückgeben und das Geld zurückbekommen?"

    An diesem Punkt unterdrücke ich mit viel Gewalt ein Grisen. Dass (männliche) Kunden Pornoheftchen kaufen, ist nichts neues. Ich reagiere darauf ganz normal und verkaufe das Magazin wie jedes andere. Ist ja nichts dabei an Pornos, ich finde die Leute einfach eher dumm, wenn sie 19.90 Franken oder mehr für eine Porno-DVD ausgeben, in Gratiszeiten von Youporn und Redtube.
    Ein Kunde, der allerdings eine Zeitschrift zurückgeben will, und dann noch eine Pornozeitschrift.. Das gabs noch nie.

    Das Bild einer spermabefleckten verklebten Sexzeitschrift ploppt vor meinem geistigen Auge auf. Ich weiss nicht ob ich mich gruseln oder ob ich lachen soll.

    Ich setze eine neutrale Miene auf und antworte: "Also grundsätzlich nehmen wir Dinge nur mit Quittung zurück. Und Zeitschriften eigentlich gar nicht, die sind ja bereits gebraucht.. ich meine durchgeblättert. Entschuldigung."

    Kunde: "Ach, ja, stimmt. Schönen Tag noch."

    Sachen gibts..

  • SUB-Abbau Februar

    Im Februar ist mein Stapel Ungelesener Bücher nicht allzu fest geschmolzen, aber ich hatte nicht so Lust, zu lesen, und Mitte Februar fing ja auch mein Semester wieder an. Zudem habe ich mehr WoW gespielt - immer wenn ich mehr zocke, lese ich weniger.Dennoch habe ich mir ein paar Gedanken gemacht über das, was ich lese. Eine Rezension habe ich immerhin.

    Gewissen Büchern merkt man es halt einfach an, wenn der/die AutorIn entweder ganz frisch im Geschäft ist (oder jung), oder es einfach nicht draufhat. Bei der einen Kategorie fehlt noch ein wenig das Dran-Feilen und die Tiefgründigkeit, bei der anderen Kategorie die Technik. Jenny-Mai Nuyen fällt zum Glück in die erste Kategorie, was nicht heisst, dass dieser Fakt das Lesen ihres Erstlings "Nijura - Das Erbe der Elfenkrone" irgendwie angenehmer gemacht hätte. Warum? Ganz einfach: Man merkt dem Buch an, dass die Autorin 18 war, als es veröffentlicht wurde, bzw. 17 als sie es schrieb. Ihre Schreibtechnik ist gut, aber die Geschichte strotzt nur so vor Logikfehlern und voraussehbaren Storywendungen sowie einem ziemlich Mary-Sue-artigen Hauptcharakter. Die Geschichte um Nill/Nijura passt auf Fanfiktion.de - aber leider nicht zwischen zwei Buchdeckel. Ich finde es schade, dass das Lektorat bzw. der Verlag wohl einfach auf die sehr junge Autorin angesprungen ist, und den Text nicht besser lektoriert hat. Einige Beispiele, die mir sauer aufstossen:
    1) Der Protagonist: Nill/Nijura ist typisch-klischeehafterweise eine Halbelfe mit einem an Schimpfwort grenzenden Namen (Nill soll "schmutziges Blut" heissen, was später im Buch natürlich auch noch zu Schuldgefühlen führt), verstossen von beiden Völkern, bei den Menschen nur sehr wenig akzeptiert, sie ist ein Special Snowflake, weil sie "die Bäume flüstern hört" (was im ganzen Buch nicht erklärt wird). Sie ist unschuldig, verträumt und ungeschickt und kann eigentlich nichts, aber gleichzeitig auf einmal so geschickt, dass sie als blutige Anfängerin beim ersten Pfeil, den sie verschiesst, gleich einmal einen kampferprobten grauen Krieger ermordet (und das wohlweislich nachdem einer ihrer Gefährten von einem Pfeil getroffen wurde, sie also voll enraged ist). Zudem steht Nill/Nijura zwischen zwei Männern, einem Elfen und einem Menschen, letzterer verbündet sich mit der Bösen Königin, weil er sie - oh wunder - von früher kennt und liebt, danach stirbt er genehmerweise, und die offene Handlung lässt erahnen, dass sich Nijura dann dem Elfen zuwendet.
    2) Die Handlung: Natürlich wird ein Mädchen wie Nill von einer Dorfgemeinschaft geschickt, um ein mächtiges Präsent dem neuen König zu bringen. Macht ja auch soviel Sinn, die Schande des Dorfes zu schicken. Dass sie von der Seherin gesandt wurde, ist da auch nur noch ein ziemlich einfallsloser Kunstgriff. Dass sie dann aber auch eine Reisegruppe "guter" Elfen trifft, die von zuhause abgehauen sind, und von denen der eine ein Prinz ist, und ein sehr unübliches Haustier mit sich mitbringt, ist dann echt nur noch der Stoff schlechter Fanfictions. Dass sie natürlich dann auch jeglichen Grauen Kriegern entwischen, doch gefangen werden, aus dem Gefängnis fliehen können (Die Burg wurde voll renoviert, aber die Kerker nicht? wtf?), dass die "Rückreise" etwa 3x so kurz dauert wie die Hinreise und auf ebensowenig Seiten abgehandelt wird, ist nur noch Nebensache. Auch dass die beschriebene Reiseroute mit der gezeichneten Karte überhaupt nicht übereinstimmt, ebenso.
    3) Die Nebenhandlungen: Weil der Leser ja noch erklärt haben will, warum die Elfenkrone eigentlich gestohlen wurde, erfindet Nuyen noch schnell zwei, drei Nebenhandlungen. Die sind leider in der geschichte so versteckt, dass man fast drüber stolpert, und leider auch in zwei Seiten abgehandelt. Das finde ich schade, da hätte man mehr machen können draus. Zudem ist auch die Geschichte um Scarpa und seine Arane sehr prominent zu Beginn platziert, so dass man sich fragt, wo jetzt eigentlich Nijura/Nill bleibt.
    Schade eigentlich um das verschossene Pulver - die Idee um eine Elfenkrone, die von einem unrechtmässigen Träger geklaut wird, ist nämlich sehr originell. Für die Umsetzung hätte sich die Autorin, die übrigens denselben Jahrgang hat wie ich, lieber noch etwas Zeit gelassen. Ihre späteren Bücher sind nämlich deutlich besser. Nijura hat mich allerdings gar nicht überzeugt.

    Kurznotizen:
    - Monika Feltens Buch "Die Nebelsängerin" hat sich als Teil einer Serie herausgestellt. Ich werde mir erst ein abschliessendes Urteil erlauben, wenn ich die weiteren Bücher auch noch gelesen habe. Zurzeit werde ich allerdings noch abwarten, weil ich gerne Geld sparen möchte, und ja noch genügend Literatur auf mich wartet.
    - Die Ahnen von Avalon war eine Enttäuschung - man merkt es dem Buch an, dass es von Paxton nach Zimmer-Bradleys Notizen geschrieben wurde - ich fands einfach nur schlecht. Zudem fehlten bei mir die letzten 25 Seiten des Buches, einfach so. Ich muss das mal noch nachlesen. Ich hoffe, dass Paxtons Bücher nicht alle so schlecht sind, da ich von ihr ja auch noch einiges habe.
    - Das Spider-Man-Buch war grottenschlecht. Da war sogar der Film besser, und der war ja schon unterirdisch. Bah.. Eine echte Enttäuschung. Zum Glück habe ich für dieses Buch nichts bezahlt.
    - Neben Herr der Ringe, das ich mit ca. 12 oder 13 (kurz vor Erscheinen des Filmes) für mich entdeckt hatte, war auch noch ein anderer Autor prägend für die Entwicklung meiner Vorliebe zu Fantasy: Ralph Isau. In unserer kleinen feinen Gymnasiumsbibliothek stand nämlich die Tetralogie "Der Kreis der Dämmerung" (sowie noch die Neschan-Trilogie, aber die soll hier jetzt weniger eine Rolle spielen). Dieses Alternative-Geschichts-Fantasywerk habe ich mehrmals verschlungen, und fand es irrsinnig. Nun habe ich es mir über Ricardo besorgt gehabt und im Februar erneut gelesen. Es ist schon interessant, wenn man mal wieder Bücher liest, die man als Kind gelesen hat. Es verändert sich vieles. Kurz und gut: Isau packt mich immer noch, aber mittlerweile erkenne ich deutliche Schwächen in seiner Tetralogie. Da sind zum einen vorgreifende Andeutungen, die einem im ganzen Buch nicht mehr begegnen, teilweise (und wohl auch gezwungen) muss der Autor mehrere Jahre in wenigen Seiten abhandeln, was ziemlich schade ist. Früher fand ich die Idee, dass ein Akteur allen wichtigen historischen Gestalten des 20. Jahrhunderts begegnet, etwas sehr interessantes, heute finde ich es leicht übertrieben. Zudem merkt man jetzt auch im Nachhinein, dass sehr viel Fokus sehr stark auf die ersten fünf Jahrzehnte gelegt wurde, während geschichtliche Ereignisse der zweiten fünf Jahrzehnte eher lieblos vernachlässigt werden (beispielsweise der Kalte Krieg, diverse Stellvertreterkriege etc.) Aber es ist eine wirklich schöne Geschichte, die mir auch immer noch als Erinnerung bleibt und auch bleiben wird. Sie hat einen Platz verdient im Buchregal.

    Gelesene Bücher (* bedeutet Aufnahme ins Bücherregal)
    David, Peter: Spider-Man – der offizielle Roman zum Film
    *Ralph Isau: - Der Kreis der Dämmerung – Teil 2: Der Wahrheitsfinder, Teil 3: Der weisse Wanderer, Teil 4: Der unsichtbare Freund
    *Douglass, Sara: Der Herr des Traumreichs
    *Felten, Monika: Die Nebelsängerin
    Nuyen, Jenny-Mai: Nijura – Das Erbe der Elfenkrone
    Bradley, Marion Zimmer: Die Ahnen von Avalon

    Keine Bücher dazugekommen!!!
    Ich war stark und brav und schonend zu meinem Geldbeutel

    Gehörte Hörbücher:
    - Frank Schätzing:  Limit
    - Markus Heitz: Die Zwerge (Band 1), Der Krieg der Zwerge (Band 2)
    gehören eigentlich zwar nicht in den SUB, aber wollte ich trotzdem erwähnt haben, weil das ja auch Literatur ist, die ich mir zu Gemüte geführt habe.

    SUB-Entwicklung: Minus 8
    SUB-Stand 28. Februar: 77

  • SUB-Abbau Januar

    Ich habe diesen Monat recht viele Bücher gelesen. Einige davon sind nicht erwähnenswert, andere eher schon. Ein paar Eindrücke hinterlasse ich mal. Hier ist der vollständige Link zu meinem Stapel Ungelesener Bücher (SUB), den zu tilgen ich mir als Ziel gesetzt habe.

    Besonders überrascht hat mich das Sammelband Science-Fiction-Kurzgeschichten von diversen Autoren, sie waren wirklich lesenswert und voller neuer Ideen.Normalerweise mag ich Kurzgeschichten eigentlich nicht. Gerade bei Fantasy braucht es viel Zeit und viele Seiten, damit sich eine Geschichte entwickelt. Bei Science-Fiction irgendwie nicht. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass Science-Fiction auch Utopie-Geschichten zulässt, "Was-wäre-wenn"-Geschichten. Die anderen SF-Bändchen gefielen mir nicht so. Denen hat man stark angemerkt,  dass sie schon alt sind. Ich muss irgendwie immer lachen, wenn sich die Handlung im Jahr 1995 abspielt, aber der Autor sich das als "Zukunft" ausgemalt hatte.

    Rolf Dobellis Denkfehler-Bücher haben mich ebenso begeistert, aber da ich seine Kolummnen schon aus der Sonntagszeitung kannte, wusste ich, dass sie mir gefallen würden. Ich hatte sie in einem Rutsch durch und hatte viele "Aha"-Momente.

    Entäuscht war ich von Lukas Bärfuss' "Hundert Tage". Meine Mutter hatte mir dieses Buch vor zwei Jahren geschenkt, und gesagt, es sei sehr eindrücklich. Es geht um einen Schweizer Entwicklungshelfer, der beim Ausbruch des Genozids in Ruanda verbleibt, statt zu fliehen. Ich fand es allerdings eher enttäuschend, wie so oft bei solchen Büchern. Der Hauptteil der Geschichte ist dem Leben Davids gewidmet, dem eigetnlichen Bürgerkrieg und Davids Verhalten im Bürgerkrieg nur etwa ein Viertel. Nicht dass ich blutrünstige Stories erwarte, aber der Klappentext suggeriert halt einen völlig anderen Aufbau.

    Ebenso enttäuscht war ich von Peter Berlings' Das Paradies der Assassinen. Seit der Assassin's Creed-Spielreihe bin ich ja ein heimlicher Fan vom Assassinen-Mythos. Ich habe auch schon den dem "Credo" der Assassinen bzw. der Spielreihe zugrundeliegenden Roman "Alamut" gelesen, der sehr zu empfehlen ist, und sich seinen Platz in meinem Bücherregal mehr als verdient. Von Berlings Buch habe ich mir deswegen ziemlich viel erhofft. Aber ich wurde enttäuscht. Die Story besteht aus vielen Protagonisten, keinem einzigen klaren Antagonisten, und hat eigentlich gar keine richtige Story, sondern ist eine Aneinanderreihung von Reisen und Aufträgen, die keinen Sinn ergeben. Zudem hat man beim Lesen das Gefühl, die Aktionen geschehen in einem Zeitraum von zwei, drei Jahren, tatsächlich sind es wohl mindestens 10-12 Jahre, dem Alter einiger Protagonisten zu entnehmen. Leider bleibt der Autor da seltsam vage, obwohl er über den Eunuchen eigentlich die ganze Story um den Aufstieg Saladins und des Falls Jerusalem nacherzählt, fehlen jegliche Jahreszahlen. Auch die ganze Geschichte um das Paradies ist zwar gut recherchiert, aber macht irgendwie keinen Sinn. Der Klappentext verspricht zudem, dass die Protagonisten Sayf und El-Mansur sich auch mal Gedanken um die "Versuchungen" des Paradies machen und das, was sie dafür geben (Tod im Ernstfall). Tatsächlich geschieht diese kritische Reflexion bei keinem einzigen der Hauptfiguren. Überhaupt bleibt die Motivation vieler Protagonisten einfach undurchsichtig, man weiss überhaupt nicht, warum Victor de Montmort, der Sohn eines in Ungnade gefallenen christlichen Kreuzritters, der die Burg neben Masyaf bewohnt, einfach so in die Assassinensekte eintreten kann, ohne dass irgendwer damit Probleme hat. Fazit: Gute Idee, handwerklich nur schlecht ausgeführt, leider.

    Begeistert war ich von Brent Weeks: Bereits seine erste Trilogie habe ich ziemlich rasch durchgeschlungen, beim Erstling seiner zweiten Trilogie (Schwarzes Prisma) konnte ich das Buch kaum mehr weglegen. Wo die Nightangel-Trilogie teilweise noch etwas holprig war, beispielsweise früh Figuren eingeführt hatte, von denen man zu lange nicht wusste, wo in der Geschichte sie hingehören, macht WEeks dies im ersten Teil der Lightbringer-Trilogie besser. Was mich besonders fasziniert hat, ist sein Konstrukt von Magie in seiner für den Roman konstruierten Fantasywelt. Magie ist ja immer so eine Sache für sich - viele Fantasyautoren geben ihren Welten Magie in irgendeiner Form, aber denken nie darüber nach, warum und was und wie es überhaupt funktioniert. Das kann funktionieren (Harry Potter), es kann aber auch stören, gerade dann, wenn Magie gerade zu Ende eines Romans als "Deus ex machina" funktioniert, als alleslösende, ultimative Kraft zur Beendigung eines Konflikts, wenn Helden durch sie so mächtig werden, dass mit einem Zauberspruch/einem Relikt/einer Prophezeiung/einem Zauberstab alles wieder heile ist. Und vor allem, wenn der Magie keine Grenzen auferlegt sind. (Ähnlich funktioniert das übrigens mit der Platzierung von Elfen, Orcs und anderen Fantasygestalten, Abziehbilder, die nie oder nur selten hinterfragt werden). Magie an sich ist per se nichts schlechtes, und manchmal braucht es auch gar keine Erklärung, wie die Magie in eienr Fantasywelt funktioniert, aber wenn ich als Leserin das Gefühl habe, der Autor, der Kreative Kopf hinter seiner eigenen Fantasywelt, weiss nicht einmal, wie Magie in dieser fantasywelt funktionieren soll, und wenn man das dem Buch auch anmerkt, dann läuft etwas schief. Deswegen finde ich die Art und Weise, wie sich Brent Weeks Magie (bzw. Chromaturgie) ausgedacht hat, einen erfrischend neuen, interessanten Ansatz. Es zeigt mir, dass er wirklich was drauf hat als Autor. Erfreulich! Der zweite Teil kam am 21. Januar raus, und ich habe ihn gleich verschlungen - er enttäuscht nicht. Jetzt sitze ich auf glühenden Kohlen, was Teil 3 betrifft.

    Ähnlich durchdacht schreibt Patricia Briggs über die Magie in ihrer Welt. Ich habe nun bereits den zweiten Band der "Sianim"-Serie bzw. auf Deutsch Aralorn-Serie durchgelesen. Über den ersten bin ich bereits vor einem halben Jahr mal gestolpert, den zweiten habe ich kürzlich in der Buchhandlung gesehen. Eine Wiki-Recherche hat mir gezeigt, dass die Sianim-Serie aus füfn Büchern besteht - ich hoffe nur, Bastei Lübbe bringt die nachfolgenden drei Teile auch noch raus, bisher sind nämlich erst zwei Stück erschienen, obwohl die Bücher zum Teil schon 15 Jahre alt sind. Ich kanns nur hoffen. Die nächsten drei Bücher stehen also bereits jetzt auf meiner "To-Buy"-Liste, obwohl sie noch nicht mal draussen sind. Zudem grüble ich drüber nach, zwei weitere High-Fantasy-Romane von ihr zu kaufen, nämlich Rabenzauber und Drachenzauber, die bei Heyne erschienen sind. Aber mein SUB ist noch soooo riesig!

    Ich habe auch ein neues Blog entdeckt, die Seite "Darkstars Fantasy News". Der Autor dieses Blogs scheint viel mehr Fantasy zu konsumieren als ich - ich hoffe, ich werde durch ihn/sie nicht in einen Kaufrausch verfallen.

    Gelesene Bücher (* bedeutet Aufnahme ins Bücherregal, alle andern werden wieder weggegeben)

    *Dobelli, Rolf: Die Kunst des klaren Denkens
    *Dobelli, Rolf: Die Kunst des klugen Handelns

    *Lelord, François: Das Geheimnis der Cellistin

    *Weeks, Brent: Schwarzes Prisma
    *Weeks, Brent: Die blendende Klinge

    *Briggs, Patricia: Aralorn – der Verrat

    *Bennet, Robert Jackson: Silenus

    *Blazon, Nina: Faunblut

    Jaeckel, Birgit: Die Druidin

    Harrison, Michelle: Elfenseele – Hinter dem Augenblick

    Aldani, Lino: Arnos Flucht

    *Diverse: Science-Fiction Stories 72

    Dickson, Gordon R.: Das Millionen-Bewusstsein

    Moore, Patrick: Scott Sander's Verrat im Weltraum

    *Viehl, S. L.: Star Doc - die Seuche

    Dragt, Tonke: Tigeraugen

    *Bärfuss, Lukas: Hundert Tage

    Berling, Peter: Das Paradies der Assassinen

    Rose, Malcolm: Der Fluch der Liebenden

    *Marr, Melissa: Gegen das Sommerlicht

    *Isau, Ralf: Der Kreis der Dämmerung - Teil 1: Das Jahrhundertkind

    *Haldeman, Joe: Herr der Zeit

    Weggefallen aus dem SUB
    --> Das Buch von Jenny May Nuyen "Der magische Bund" fällt weg, weil ich das doppelt habe und schon einmal gelesen. Dies ist mir beim Durchsehen des Bücherregals aufgefallen.

    Dazugekommene Bücher (nichts gekauft, nur meine Büchersammlung nochmal durchgesehen)

    Man kann das fünfte Buch von Andrzej Sapkowskis Hexer-Zyklus nicht lesen, wenn man die vorhergehenden Bücher schon vor zwei Jahren gelesen hat. Deswegen habe ich mich entschlossen, die Hexer-Geralt-Bücher 1-4 und auch Nummer 1 und 2 der Narrenturm-Trilogie auch noch einmal zu lesen. Macht meine SUB-Liste zwar um einiges grösser, aber sonst wird mir das Lesen ja eh keinen Spass machen.
    Zudem habe ich in meinen Büchern noch vier Stück entdeckt, die ich noch einmal oder mal fertig lesen möchte. Sie landen deshalb auch auf meinem SUB.

    Dazugekommen sind also folgende Bücher:

    Andrzej Sapkowski (Hexer Geralt Zyklus 1-4, Narrenturm 1/2)

    • Das Erbe der Elfen
    • Die Zeit der Verachtung
    • Feuertaufe
    • Der Schwalbenturm
    • Narrenturm
    • Gottesstreiter

    Shelley, Mary: Frankenstein (halb gelesen)

    Kehlmann, Daniel: Die Vermessung der Welt

    Hay, Louise L.: Gesundheit für Körper und Seele

    Bryne, Rhonda: The Secret - das Geheimnis (Mal schauen, ob ich diesen New-Age-Kram dieses Mal durchhalte)

    SUB-Entwicklung: Plus 10, Minus 23
    SUB-Stand 31. Januar: 85

Footer:

Die auf diesen Webseiten sichtbaren Daten und Inhalte stammen vom Blog-Inhaber, blog.de ist für die Inhalte dieser Webseiten nicht verantwortlich.