Heute bin ich trotz erneut verspätetem Einstieg wenigstens etwas vorwärtsgekommen mit der Recherche für meine Bachelorarbeit. Ich habe ein Buch aussortiert, weil es mir nicht helfen wird, ein anderes habe ich quergelesen und dann Kapitel 2 ausführlich gelesen und mir Notizen gemacht und ein weiteres Buch, ein Lexikon, auf die Artikel hin „gescannt“ die ich interessant fand, die dann auch gelesen. Ich habe auch organisatorische Dinge erledigt. Mein Ordner mit Unterlagen platzte aus allen Nähten, also hab ich alles in einen breiteren Ordner transferiert. Ich habe meine Finanzen aktualisiert und dank den Unterlagen, die ich bekommen habe, auch die letzten Ausgaben vom Dezember nachgetragen sowie die Tabelle ausgedruckt. Ich habe meinen USB-Stick 'ausgemistet' (durchgesehen, was ich darauf noch alles brauche..)
Meine Liste der zu erledigenden Dinge ist leerer geworden, aber ich fühle mich immer noch nicht gut. Ich hatte echten Drive, Ende Dezember, aber die vielen Arbeitsschichten über die Feiertage und der daraus resultierende Unterbruch in meiner Recherchephase hat vieles kaputtgemacht. Es fängt schon damit an, dass ich fast eine Woche brauchte, um wieder „reinzukommen“ und hat da geendet, dass ich bis jetzt keinen Einstieg wieder gefunden habe.
Vielleicht liegt's auch daran, dass ich im Moment einfach nur genervt bin. Ich habe vor knapp einem Jahr angefangen, schriftliche Arbeiten zu schreiben, und ich habe es gründlich satt. Das hatte sich schon nach der Abgabe der letzten Seminararbeit im August eingestellt, dieses Gefühl, aber mittlerweile ist es präsenter denn je.
Ich bin furchtbar am prokrastinieren. Alles lenkt mich ab, selbst meine Finanzen mache ich im Moment lieber als irgendetwas zu lesen. Mein neuster Tick ist es, Mahlzeitenpläne und Einkaufslisten für die entsprechende Mahlzeitenwoche sowie endlose Tabellen über bereits ausgetestete und noch zu probierende Rezepte zu erstellen. Letztens habe ich sogar eine neue Vorlage der „Back- und Entsorgungsliste“ und eine „Getränke-Auffüllliste“-Vorlage für die Arbeit an der Tankstelle erstellt. Wenn das nicht Prokrastination ist, dann weiss ich auch nicht..
Kurzzeitig resultierte dieser Prokrastinationswahn auch in einer Erhöhung der Kreativität, aber die ist mittlerweile auch schon wieder abgeflacht. Und wie so oft war die Kreativität natürlich nicht für das Projekt da, bei dem ich gerne fertig werden würde (Fanfiction), sondern konzentrierte sich alleine und ausschliesslich auf ein neues-altes Projekt, bei dem ich noch nicht mal ansatzweise irgendwo bin. Das obligatorische verdaddelte Wochenende am PC durfte natürlich auch nicht fehlen, ich habe ja darüber berichtet. Dass ich die halbe letzte Woche auch noch arbeiten musste (Mi, Do, Fri, Sa, So-Nachmittags bis Abends), hat nicht dazu geführt, dass ich weniger Ausreden habe, unproduktiv zu sein.
Es ärgert mich im Moment sehr, und ich fürchte, dass mein Ärger darüber nur dazu führt, dass ich mich selbst noch mehr ärgere, mich selbst blockiere und – was wohl am dramatischsten ist – meine eigenen Leistungen nicht anerkenne. Denn selbst in den Momenten, wo ich prokrastiniere, mache ich ja an und für sich etwas. Es sind alles Dinge, die ich gerne machen wollte und teilweise schon Monatelang vor mir herschiebe wie beispielsweise die Getränke-Auffüllliste.
Aber so recht freuen kann ich mich über diese Erkenntnis leider nicht, denn diese Sachen erledige ich genau dann, wenn ich eben eigentlich meine Zeit für wichtigere Dinge aufwenden müsste. So gesehen ist es also nur ein weiteres Symptom meiner Aufschieberei.
Um mal vom Jammern wegzukommen, muss ich ganz objektiv anmerken, dass ich viel produktiver bin, als ich es noch vor eineinhalb Jahren war. Das sehe ich ganz klar und deutlich vor mir. Selbst an den Tagen, an denen mir grundsätzlich weniger gelingt und ich unzufrieden bin, hake ich doch nach und nach gewisse Posten von meiner imaginären Liste ab und lasse gewisse Sachen nicht schleifen, die wichtig sind. So habe ich es trotz akuter Unlust geschafft, dem Staatsarchiv ein Mail zu schreiben und mich für Mittwoch und Donnerstag anzumelden. Ich habe ja einen Antrag auf Einsicht in geschützte Bestände gestellt, der stattgegeben wurde. Diese Akten, die ich da untersuchen kann, sind möglicherweise für meine Arbeit ein weiterer interessanter Aspekt.
Heute morgen wollte ich früh aufstehen, schwimmen gehen und dann voll motiviert in die Bibliothek. Aus Schwimmen ist dann wegen Schneetreiben, akuter Müdigkeit und Unlust nichts geworden, aber immerhin war ich dann so gegen Viertel vor Elf in der Bibliothek und habe angefangen, Dinge zu wälzen. Mit dem heutigen Ergebnis kann ich mich immerhin ansatzweise zufriedengeben.
Ich bin auch stolz auf mich, dass ich mit einer Selbstverständlichkeit mittlerweile morgens das Essen für mittags zubereite und mitnehme. Ich könnte subjektiv sagen, es braucht mehr Zeit, aber objektiv gesehen komme ich nicht später in die Bibliothek als an anderen Tagen ohne Kochen, und jetzt habe ich sogar eine Ausrede.
Ich glaube, ich habe auch unlgoische Ansprüche an mich. Ich kann nicht von mir erwarten, dass ich um neun Uhr, oder sogar schon früher in der Bibliothek hocke. Und selbst wenn – meine Aufmerksamkeit hätte dann bis 16 Uhr schon längst nachgelassen. Das macht dann auch keinen grossen Unterschied mehr, wenn ich um 11 da bin und bis 18 Uhr durcharbeite. Ein Grossteil der Zeit wird ja sowieso versurft und abgelenkt verbracht.
Ich muss mich einfach damit arrangieren, das sich nun einmal so bin wie ich bin.
Heute war aber auch eine Stunde das WLAN hier weg, und ich habe schon extrem gemerkt, wie schlecht es ist für mich, dass Internet hier sonst frei verfügbar ist. Ich bin ständig am rumsurfen und werde abgelenkt. Vielleicht sollte ich mal probieren, das Internet gar nicht erst zu connecten? Aber ich kenne mich doch, dann überliste ich mich selbst dann doch wieder. *seufz*
Für dieses Problem habe ich noch keine Lösung.
Mal sehen, wie das hier weitergeht. Ich bin mittlerweile nicht mehr so gefrustet, wie zu Beginn letzter Woche noch, aber immer noch nicht auf dem Höhepunkt meiner Laune.
Ich glaube, ich habe es einfach satt, zu recherchieren und zu schreiben. Eigentlich mache ich es ja gern, aber nicht ein Jahr nichts anderes als nur das. Wie sehr begehre ich den Anfang des Masterstudiums im September heran, oder auch nur schon der Gedanke an ein Praktikum.. Einfach fertig sein mit dem elenden Geschreibe für ein paar Monate. Oder wenn, dann wenigstens mit der Abwechslung von Seminaren und Vorlesungen dazwischen.
*seufz*
Motivation, wo bist du nur!