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Archiv der Einträge: Februar, 2012
  • Lernprozess

    Und was haben wir heute gelernt?

    Du magst zwar hochbegabt sein und viele Dinge gleichzeitig erledigen können, aber auch du schaffst es nicht, genügend für die Theoretische Autofahrprüfung zu lernen, wenn du nur die Bachelorarbeit im Kopf hast.

    21 fehlerpunkte von erlaubten 14.

    #verkackt
    #selber schuld
    #fürs leben gelernt

  • Geschichten von der Tanke: Zigarettenmarken (I)

    Das mit den Markennamen ist schon ganz schwer. Wie man Ovomaltine, Rivella oder Toblerone ausspricht, ist nicht allzu schwer, aber sobald die Markennamen nicht mehr so ganz schweizerisch inspiriert sind, wirds schwer. Der Durchschnittsbürger, der nicht ganz fremdsprachenaffin ist, lernt die korrekte Betonung eines Markennamens meistens über die Werbung, so dass es mehr oder weniger korrekt kommuniziert werden kann.
    Bei den Zigaretten ist das aber ganz anders. Zigarettenwerbung im TV und im Radio ist nicht erlaubt. Das führt dazu, dass ich im Verlauf von vier Jahren Arbeit an der Tankstelle schon die absurdesten und witzigsten Betonungen von Zigarettenmarken erlebt habe.

    Am schlimmsten ist die Marke Parisienne. Wie der Name schon vermutet, ist er französischen Ursprungs und bedeutet eigentlich "Pariserisch" - also von Paris her. Das können die meisten noch knapp betonen, nur manchmal wird "Parisienne" zu "Parisette" (wie das Brot).
    Schwieriger wirds dann bei den einzelnen Sorten. Da gibts nämlich Parisienne jaune (gesprochen: "schoon"), steht für "gelb". Kluge Köpfe, die kein Französisch können, sagen dann einfach "Parisienne gelb bitte". Weniger kluge Köpfe stolpern regelmässig über das jaune.
    Beispiele: "joon" oder "jaune", "jaun"..

    Ein weiterer Kandidat, der Mühe macht wegen der französischsprachigen Aussprache sind die Zigaretten der Marke Vogue. Betont würde es ungefähr so: "woog". Viel öfters wird es allerdings "voge" oder "vouge" ausgesprochen.

    Auch Gauloises ist für die meisten kompliziert. So wird aus "goluaas" meistens eher so etwas wie "gauloses" oder "galoises".

    Aber auch bekanntere Markennamen bieten Stolpersteine. Marlboro beispielsweise scheint für viele unaussprechbar. Vielleicht liegts an der Kombination von 3 Konsonanten nacheinander (MarRLBoro). Sehr oft wird aus Marlboro nämlich Marboro oder Maboro.
    Und die Umstellung auf Marlboro Gold,Rot und Silver hat auch noch nicht ganz geklappt. Entweder wird noch 5 Jahre nach der Umstellung Marlboro light gewünscht, oder die Kunden stottern mühsam das Gewünschte zusammen. Das hört sich dann so an: "Marlboro rot light gold".
    Ein weiteres Unding: Marlboro Beyond. Beyond ist englisch. Aussprechen täte man es wohl ungefähr so: "bijond". Sehr viel öfters wird daraus aber "bejond", "baijond" oder "bajond".

    Bis man da als Verkäuferin dann mal den Durchblick hat..
    Aber zum Glück kennt man ja seine Leute, beisst sich auf die Zunge, lächelt und schmunzelt nachher über den ungewolten und amüsanten Stolperer.

    Cheers,
    Rose

  • Von meinem Papa - oder: Unnötige Ängste (mal wieder..)

    Irgendwie wird das mit meinem Vater immer einfacher. Und es wurmt mich, dass es derzeit so gut läuft, aber vorher nie wirklich. Ich habe schon mit jemandem darüber gerätselt, warum das so ist. Sie machte den Vorschlag, dass es vielleicht daran liege, dass ich erwachsen werde. Ich glaube, das hat wirklich was. Da ist was dran. Obwohl ich sagen muss, dass ich immer noch extremen Respekt vor ihm habe. Aber nicht auf eine gute Art, sondern auf die Art, dass ich mich fürchte, dass er wieder was Böses sagt, das mich kaputt macht.

    Aber im moment läufts wirklich gut.
    Ich habe mich ja Mitte Januar mit ihm getroffen für ein Mittagessen, und es war gut. Es war wirklich gut.Und - so banal es sich anhört - ich glaube, es hat daran gelegen, dass ich ihm Gründe gegeben habe, stolz auf mich zu sein. Seit unserem letzten Treffen hat sich meine Abnahme verdoppelt (August oder September: -16.5 und Mitte Januar ziemlich genau 33). Aber das war nicht alles. Ich sah gut aus. Ja, das kann ich so sagen. Ich habe einen neuen, chicen Mantel, ich habe mein schönes Top angehabt, in welchem ich mich gut fühlte.
    Und auch das war noch nicht alles. Ich habe ihm von meiner Bachelorarbeit erzählt. Bisher habe ich mich ja davor gescheut, ihm einfach so eine Mail zu schreiben oder so, sondern ich wollte es selber erzählen, weil man das Thema dann sowieso besser auf den Punkt bringt. Ich hatte auch ein wenig Angst davor (welche Überraschung..), weil ich ja etwas familiengeschicthliches mache. (Ganz Explizit gehts um meinen Grossvater, und Integration in seinem Heimatkanton und so). Desweiteren konnte ich ihm erzählen, was ich im Master studiere, dass ich bei der Berufsberatung war, und dass ich mich derzeit für Praktikas bewerbe.
    Ich hab mich während dem Gespräch ein bisschen gefühlt wie wenn ich einen Hammer in der Hand gehabt hätte, und einen Nagel nach dem andern zielgerichtet in die Wand geschlagen hätte.
    Zack, zack, zack, zack, zack, zack..
    Punktgenau, zielgerichtet, zack.
    (Und der Fakt, dass er das erste Mal meinen von Narben verunstalteten Arm gesehen und prompt nachgefragt hat, worauf ich ihm meine Standartantwort ganz locker sagen konnte, der Fakt hat mich null verunsichert! NULL!... Erstaunlich.... Wo ich doch wirklich die ganze Zeit Angst hatte, was wäre, wenn er es das erste Mal sieht.. )

    Offensichtlich ist das Rezept so einfach, um mit meinem Vater klarzukommen: Leiste etwas. Sei etwas. Beweise etwas. Oder nein, vielleicht ist es eher: Wisse, was du willst. Und wenn du das weisst, dann kommuniziere das auch.

    Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich es ganz erfasst habe, und falls ich es erfasst habe, ob ich das gut finden soll. Es hat ganz viel von einem Belohnungssystem, einem "fernen" Vater, der nur wirklich anwesend ist, wenn man etwas präsentieren kann. Eine Leistung. Aber vielleicht ist es das auch nicht. Vielleicht ist er auch wirklich nur froh und glücklich darüber, dass ich meinen Weg gefunden habe.
    Wenn ich nämlich objektiv zurückblicke auf die letzten Jahre, dann kann ich mittlerweile sogar die Sorgen meiner Mutter nachvollziehen. Ich muss teilweise schon ausgesehen haben wie ein Wrack. Nicht nur ausgesehen, mich auch so benommen.. Gruselig.

    Wie dem auch sei: Ich habe Leistungen präsentiert und ich habe dafür auch etwas bekommen. Mein Vater hat sich bereit erklärt, trotz spärlicher Zeit, bei meinem Projekt mitzuwirken, indem er mir auch ein Interview gibt für meine Arbeit. Das finde ich extrem toll, gerade weil er bei unserem Mitagessen angedeutet hat, dass sich seine Sicht der Dinge ziemlich anders darlegt als die meiner Tante, die ich ja auch schon interviewt habe. Das bringt zusätzliche nette Dynamik hinein.
    Desweiteren hatte er mich gebeten, ihm eine Blanko-Bewerbung zuzuschicken, damit er sich mal umhören könne. Er hat ziemlich viele Kontakte, an denen er mich nun offiziell teilhaben lässt.
    (Das muss man nicht als Selbstverständlichkeit betrachten, sondern als Ehre. Im Sommer hat er mir ganz klar dargelegt, er lässt mich an diesen Kontakten teilhaben, aber nur, wenn ich weiss, was ich will. Ich muss(te) es mir erarbeiten. Auch wieder sowas auf doppelten Ebenen Bedeutsames)

    Diese Bewerbung habe ich ihm am Dienstag zugestellt. Auch hier spielte wieder der Angst-Faktor mit. Was habe ich geschwitzt über dieser verdammten Blanko-Bewerbung.. Ich wusste echt nicht, wie ich es machen soll. Alle Sätze klangen schief, alle Worte falsch und plump. Ich habs aber schliesslich doch geschafft, und den ganzen Mist in ein PDF-Dokument gepappt und ihm geschickt.
    Er fand sie gut. Die ganze Aufregung umsonst...

    Ich habe ihn dann angerufen, und wir haben beschlossen, dass er meine Bewerbung einfach an die Leute schickt, die damit möglicherweise was anfangen könnten, und ich mich bei denen noch melde.

    Eigentlich wollte ich über meine Bewerbungen sprechen, aber jetzt ist hier draus doch wieder ein "Papa-Eintrag" geworden. Ich weiss nicht, derzeit beschäftigt mich das halt schon ziemlich. Einerseits freut es mich sehr, dass wir wieder miteinander auskommen, aber andererseits fühle ich mich doch bei jedem Treffen immer noch wie die Gazelle, die vor dem gefährlichen Raubtier Löwe eine Audienz hält.. Jederzeit bereit zu fliehen, wenn der Löwe seine Zähne fletscht. Ich habe so lange Angst gehabt vor unseren Treffen, weil mein Vater genau weiss, welche Knöpfe er drücken muss, damit ich anfange zu weinen. Damit ich heulend zusammenbreche, damit ich mich schlecht fühle.

    Wobei ich mittlerweile auch darüber nachdenke, ob das wirklich so ist. Ist es nicht so, dass ich mittelrweile seine Aussagen anders interpretiere? Nicht mehr persönlich nehme? Ihn als Mensch erfasse, nicht als Übervater-Heldenfigur? Auch erkenne, dass er Schwächen hat, wie jeder andere und dass diese Schwäche nun einmal ist, sich emotional nicht in andere hineinfühlen zu können?

    Es denkt in mir. Es denkt...

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